AfD, Sekte, Mitgliederschwund

Deutschland, Euro & Finanzen , ,

(he) In den Reihen der AfD brodelt es weiter. Die sich so selbst bezeichnende Alternative für Deutschland zerbricht unter ihrem Erfinder und Marktschreier Prof. Lucke. "Wenn ihm nicht bald die Federn gestutzt werden, werden nur noch wenige Parteiaktive übrig bleiben", so ein AfD-Mitglied gegenüber dem Preußischen Anzeiger.

Damit bestätigen sich die Befürchtungen, das auch diese Partei nach einem Höhenflug zum Senkflug ansetzte und den freien Fall wohl nur noch kurz über dem Boden (der Tatsachen) aufhalten kann. War man doch als liberal-konservative Partei mit Sammlerstatus aus allen Bereichen gestartet um danach die Konservativen, die Freidenker und alles was irgendwie rechts aussieht auszugrenzen, machte man den selben Fehler, wie ehedem die Piraten. Mit einem Kampf gegen Rechts positioniert man sich links und nicht vorn, liest man schon im Buch "Alternative für Deutschland oder Alternative gegen Deutschland", in dem bereits im Mai 2013 die Parteiausrichtung kritisierte und Lösungsansätze darlegte. Doch alle, die dem blauen Wunder zugeneigt waren, hangen an Luckes Lippen. Jene Situation könnte nun zum Bummerang werden, nach Quälereien in Berlin, Hessen, Bayern und wieder Hessen.

 

Am Wochenende hielt der Landesverband der Alternative für Deutschland (AfD) seinen dritten Parteitag binnen zwei Monaten ab. Dabei schied der bisherige Vorstandssprecher Volker Bartz im Streit aus seiner Partei aus, nachdem er das ungerechtfertigte Führen seiner akademischen Titel einräumen hatte müssen. Und Bartz war nicht allein auf seinem Weg hinaus aus der erst im vergangenen Frühjahr gegründeten Partei, die bei der Landtagswahl aus dem Stand auf 4,1 Prozent der Stimmen kam: Nach Informationen der "hessenschau" traten allein am vergangenen Wochenende rund 100 Menschen aus der hessischen AfD aus, darunter elf Sprecher von Kreisverbänden. 



Somit hat der Landesverband seit November rund 200 Mitglieder verloren – das entspricht immerhin einem Zehntel aller Mitglieder. 

vermeldet der Hessische Rundfunk.

Dabei war Lucke einst Liebling der Medien und konnte zum Parteistart auf zahlreiche Auftritte im Fernsehen und Radio aufwarten. Doch diese, zum Teil gespielte, Euphorie hielt sich nur zeitlich beschränkt. Nun, kurz vor den Wahlen für Europa ist sie nirgends mehr zu spüren. Dabei hätte gerade jetzt die Partei ihre Europa- und Eurokritik hervorbringen können. Doch selbst von diesem Punkteplan ist die AfD unter Lucke abgewichen. Statt keine Tabus und auch ein Nachdenken über die DM heisst es nur noch pro-Euro, wenn auch irgendwie anders. Aber selbst das irgendwie anders schmeckt dem Wähler nicht mehr. Das anders versprachen auch schon andere und das irgendwie ist keine feste Konstante.

Die wiederum hat die AfD woanders gefunden. In Parteienstreitigkeiten, gegenseitigen Vorwurfen und größeren wie kleineren Eklats.

 "Letzlich hat sich die AfD als Mogelpackung erwiesen, der es an Basisdemokratie und Programmatik fehlt. Politische Veränderungen sind durch diese Partei nicht absehbar!" Weiter steht da: "Das derzeitige Erscheinungsbild ist geprägt von Mobbing, Intrigen, öffentlichen Denunziationen und Rechtsverstößen, wie es einer demokratischen Partei unwürdig ist." Wenn sie keine tatsächliche Programmdiskussion aus der Basis zulasse, sehe er für die Partei keine Zukunft, sagt Zaleski. 



Verbreitet wurde die Erklärung von Jochen Prinz, der im vergangenen Jahr kurzzeitig Sprecher des mitgliederstärksten Kreisverbands in Frankfurt war und ebenfalls an einen Austritt denkt. Er fordert eine "Trendumkehr" bei der AfD. […]

Scharfe Kritik an der AfD-Führung äußerte am Montag auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV). Beim Parteitag am Samstag in Gießen hatte die Partei die Presse für die Zeit der Aussprache über die Personalie Volker Bartz und andere Streitthemen ausgeschlossen. "Parteien sind im demokratischen Staat keine Geheimbünde, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit kungeln können", erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken: "Dass Journalisten von Parteitagen ausgeschlossen werden, kannten wir bisher nur von rechtsextremen Organisationen."

schreibt der Staatsfunk hr auf oben verwiesener Seite. Gerade den letzten Satz möchte ein AfD'ler gegenüber des Preußischen Anzeigers erweitern:

Nicht nur von rechtsextremen Parteien, sondern auch von Sekten kennt man ein solches Verhalten. Und bei der AfD ist Lucke der Guru. Wer sich nicht an seinem Wort labt, der wird gemobbt bis zum Selbstaustritt.

So gesehen ist es dann auch kaum verwunderlich, dass Experten damit rechnen, dass derzeit nur noch 15.000 bis 17.000 Mitglieder von ehemals über 22.000 übrig blieben. Aktiv seien nur etwa 7000 Mitglieder.

 

5 thoughts on “AfD, Sekte, Mitgliederschwund”

  1. Zitat:"Mit einem Kampf gegen Rechts positioniert man sich links und nicht vorn," Stimmt. Meine Freunde vom "Orden der Patrioten" und ich haben die AfD ja von Anfang an (seit der Gründung der AfD) unterstützt; wir tun das vorläufig auch weiterhin, aber dieses "Abgrenzen von Rechts" macht uns SEHR mißtrauisch! Wäre es eine Abgrenzung von Rechtsextremismus täten wir dem voll und ganz zustimmen; allerdings müsste es dann auch eine Abgrenzung vom Linksextremismus geben! Bisher hat sich jedoch meineswissens noch keine etablierte Partei vom Linksextremismus abgegrenzt…… Ich befürchte fast die AfD tut dasselbe wie die Piratenpartei; erst labern: "Wir sind offen für alle Ideen" und sich NACH DER WAHL von "Rechts" abgrenzen. Wenn das passiert, ist die "Alternative für Deutschland" für den "Orden der Patrioten" gestorben!

  2. Noch etwas: Eben fand ich in der JF einen sehr interessanten und guten Artikel über die AfD:

    http://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2014/afd-unterstuetzt-petition-gegen-gender-lehrplan/

    Sie vom Preußischen Anzeiger sollten ihn umbedingt lesen; die AfD ist offenbar doch nicht so übel, wie Sie vermuteten!

    Immerhin kämpfen die AfDler gegen den Genderwahn und das ist gut! Und noch ein Bonuspunkt: Die SPD/Grünen scheinen die AfD zu hassen 🙂 ; das macht mir die AfD gleich viel symphatischer 🙂

    Frei nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

  3. Sehr geehrter Tom,
    ich habe diesen (und andere Artikel) zur AfD gelesen. Dennoch hege ich meine Zweifel an der AfD vgl. dem angezeigtem Buch und dem weiteren Verlauf der jungen Geschichte dieser Partei. Seien es die nach dem Wind gelegten Ziele (Euro/DM) oder eben auch der Genderverblendung. Nach Luckes Ansicht wird die Frauenquote auch in der AfD hochgejubelt!
    Das Motto Der Feind meines Feindes kann hier nicht gelten, da die AfD eine Abspaltung von CDU/FDP ist und m.E. vor allem aus CDU-Strategien hochgespielt wurde. Der Feind meines Feindes kann auch mein Feind sein, um es so weiterzuführen, ich muss keine Mücke mögen, nur weil Frösche sie nicht mögen. Obwohl ich die AfD nicht als Feind sehe, so will auch sie nicht an die Wurzel des Übels. Viel eher "rasiert" sie das Unkraut und schüttet Farbe darauf, statt das Unkraut herauszuziehen und den Boden umzugraben. Fragen Sie die Kleingärtner, ob ein überlackieren von Unkraut wirklich den Garten verschönert….
    Die AfD hat ihr Werk vollbracht: Menschen unterschiedlicher Positionierungen zu wecken, teilweise zu vereinen. Sie hat es sogar geschafft politikverdrossene zu aktiven Mitbürgern zu machen. Doch die AfD hat weder Positionierungen gehalten, noch die Ideen umgesetzt. Viel mehr bedient sie sich bei so mancher Altpartei – von CDU bis Reps, von Linke bis FDP. Reicht dies als Freundschaft?

  4. Bei aller zum Teil berechtigter Kritik an der AfD – wer, wenn nicht die AfD mit einer nach wie vor großen Menge engagierter Basismitglieder kann in diesem Politiksystem noch etwas bewegen? Wir können warten bis die "100%-Meine-Meinung-Partei" zur Wahl antritt. Bis dahin haben wir eine konstitutionelle Diktatur mit Sitz in Brüssel.

    Helft dieser AfD trotz ihrer Fehler…….viele Chancen gibt es nämlich nicht mehr!

     

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