Ohne Moos nix los!


Genug gespendet

(he) Deutschland hat auch dieses Jahr wieder gespendet. Fast alle Radio- und Fernsehsender, viele Zeitungen und Zeitschriften, riefen in der Vorweihnachtszeit zur Spende auf. Ein Griff in die Briefbörse, ein Überweisungsformular oder eine überteuerte SMS sollten Kinder, Tiere und Kranke von Not und Armut befreien. Was zuerst nach einer guten Tat aussieht, ist eine fragliche Angelegenheit. Nicht nur, weil man selbst nicht weiss, ob sein Geld ankommt, wieviel Bürokratiegelder stecken bleiben. Aber man kann erkennen, das was ankommt.

So möchte man meinen, dass das Arche Projekt eine gute Sache sei, dass das weltweite Prinzip der Spendengeldervernetzung für Afrika hoch zu loben sei. Doch ist es so?

Einerseits muss man den Regierungen dieser Welt eine Minuskarte ausstellen. Gerade auch in einem der angeblich reichsten Länder der Welt. Jenem Land, in dem immer mehr Senioren Arbeiten gehen – nicht aus Wolllust, wie uns die Meinungsmedien immer überzeugen wollen – sondern aus Geldnot. In einem Land, in dem Flaschensammeln, nicht aus ökologischen Gründen, sondern aus Geldnot zum Alltag gehört. In einer Region, in der Zeitungsaustragen längst nicht mehr zur Taschengelderhöhung dient. Wie kann es sein, dass in einem Sozialstaat unzählige Obdachlose vor sich hin vegetieren, dass Eltern mit Kindern Strom und Heizung abgestellt wird, dass Omas wegen Schwarzfahren strafrechtlich behandelt werden?

Und all das, und noch vieles mehr, in einem der reichsten Länder der Welt. In einem Land, dass so viel für Entwicklungshilfe ausgibt. Teilweise mehr, als ein sogenanntes 3. Welt – Land eigen erwirtschaftet. Dort bauen wir neue Straßen, während unsere eigenen immer tiefere Löcher und Risse bekommen, dort bauen wir Schulen, während unsere wegen Baumängel geschlossen, dann vollsaniert als Asylantenheime übergeben werden. In fernen Ländern erweitern wir die Gleisnetze und bauen Brücken, während im eigenen Land die Bahn mit eben jenen zu kämpfen hat.

Man versteht es nicht mehr, das die Freiheit für Deutschland irgendwo in der Welt im NATO-Auftrag unterstützt werden muss, während die Ausgaben für Soldaten gekürzt werden müssen. Man versteht es nicht mehr, dass unsere Medien stolz Prominente zeigen, die irgendwo in der Welt ein Krankenhaus einweihen, während sich Kranke hierzulande dreimal überlegen, ob sie die Medikamente bezahlen können.

Diese Aufzählung könnte man weiterführen, beinahe endlos. Und sie wäre immer noch nicht vollständig. Denn hinzu kämen die Ehrenamtlichen, die täglich Leben retten. Weil die Politik es versäumt hat, dafür Profis zu engagieren. Wie kann es sein, dass Städte in Deutschland von "Freiwilligen Feuerwehren" abhängig sind? Also von Mitmenschen, die freiwillig und ohne Bezahlung Leben und Gut retten. Wie kann es sein, dass Krankenhäuser von unbezahlten Helfer abhängig sind, ob DRK-Mitglieder oder die grünen Damen? Wie kann es sein, dass nichtausgebildete Bürger ihre "Brüder und Schwestern" vor Hochwasser, Sturm und andere Naturgewalten retten müssen? Auch hier kann man endlos eine Aufzählung starten, von Senioren die für Kinder nicht nur (Ersatz-) Oma oder Opa sind, sondern ihnen das Lesen beibringen bis hin zum Gärtner der für gebrechliche Menschen die Gräber ihrer dahingeschiedenen Liebsten pflegt und darauf hofft zu Weihnachten ein Dankeschön zu erhalten.

Würden sich jene tatkräftigen Menschen von heute auf morgen zurückziehen, würden die Spender nur ein einziges Fest ihre Münzen bei sich behalten, würde die Bundesrepublik kollabieren. Einfach deshalb, weil sich die Staatsführung der BRD zu sehr auf diese Menschen verlässt. Genauso, wie sich die Kommunen alljährlich darauf verlassen, dass kein neuer Winter kommt. Genauso, wie sich die Bundesländer darauf verlassen, dass ihr Haushalt saniert wird, vom Nachbarbundesland.

Es ist schon peinlich für ein mitteleuropäisches Land, das sich weltoffen zeigt, dass für jeden Gelder übrig hat, das jeden aufnimmt – das dieses Land nicht mehr an sich selbst denken kann. Doch solange alles "glatt" läuft, der Freiwillige anstandslos mit einer Erwähnung oder Urkunde beglückt wird, der Spender seine Spende von der steuer absetzen kann, funktioniert dieses bedenkliche Spiel. Denn so lange schadet der Spender doppelt:

Zum einen fehlen seine Steuern, sollten diese wirklich für die eigene Region oder wenigstens dem Spenderwunsch gemäß eingesetzt werden, zum anderen trägt er dazu bei, dass sich der Staat nicht um seine Bürger kümmern muss, dass Politiker sich um sich kümmern können. Und als Dritten Punkt trägt er zur sozialen Kälte untereinander bei. 

Es ist vorbei, vorbei zu fragen, was kann ich für diesen Staat tun, solange der Staat keinen Gedanken an seine Bürger wendet. Denn der Staat, und das vergessen viele, besteht einzig und allein aus seinen aktiven Bürgern. Es sind nicht jene, die immer nur fordern, die sich staatliche Leistungen erklagen, die den Staat unter Druck setzen. Es sind nicht jene die vielseitige Pamphlete drucken. Es sind auch nicht jene, die die Landesgesetze für sich ausnutzen, aber anderen Vorschriften machen, sie damit sogar in Bedrägnis bringen. 

Nein. Es sind jene die den Staat fördern und fordern, jene die Unrechtmäßigkeiten bekämpfen, jene die täglich ihre Leistung bringen. Hieran sollte der Staat, der Bürger, der Politiker und damit auch das Land gemessen werden. Hier helfen auch keine Geld- oder Sachspenden, die einen "reinwaschen" wie ehedem der Ablasshandel!

Daher lobe ich mir Aktionen, wie jene von Frank Zander, der hunderte Obdachlose zum Essen einlud; daher lobe ich mir jenen, der einem hungernden Menschen sein Wurstbrot zusteckt; daher lobe ich mir jeden, der seinem Nachbarn hilft; der ohne Spendenquittung, der hier und da eine helfende Hand hat. Auch jene lobe ich, die der schwarzfahrenden Oma eine Fahrkarte spendierten, jener der sein Tagesticket der Bahn weiterreicht, jener der der Tafel aushilft, … . Wenn nur jeder seinem Nachbarn helfen würde, statt ihn neidvoll anzuklagen, wenn nur jeder seinem Umfeld hilft, dann hätten wir keine Spendenmeierei mehr nötig, dann könnte sich so mancher Vorsitzende und sein Gefolge nicht mehr an Spenden laben. Es sind die kleinen Dinge, mit denen wir direkt helfen können – und trotzdem den Staat, also auch uns, an seine eigentlichen Aufgaben erinnern!

Seine erste Aufgabe ist es doch, dafür Sorge zu tragen, dass es seinen Bürgern gut geht, dass keiner Hunger oder Kälte erleiden muss, jeder sich Bilden kann. Daraus eröffnen sich weitere Aufgaben – und Ausgaben. Dinge, die andere Staaten sehen: kostenfreie Heizung und Strom gibt es bereits auf der Welt, genauso wie kostenfreies Internet, damit sich jeder bilden kann. Sogar kostenlose öffentliche Transportmittel gibt es in der Welt – alles bei angeblich ärmeren Ländern als unseres.

 

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