Ohne Moos nix los!


Xavers Schüler

(he) Wie bekannt, war es dieser Tage etwas stürmisch im Norden der Republik. Während einige Bürger um Hab und Gut besorgt waren, zogen andere Xaver und seine Stärken ins Lächerliche. "Die Welt geht unter und n24 zeigt Dokus" war ein beliebter Satz im Umfeld, während man auf n-tv und ARD/ZDF recht gut informiert wurde. Auch wenn so mancher sich dachte, was machen die für eine Welle, Thailänder und Amis hatten stärkere Stürme, höhere Wellen, war das Informationsangebor berechtigt. Zum Beispiel um gesagt zu bekommen, man sollte lieber zu hause bleiben, statt die Welt zu erkunden.

Deshalb schloss man im Norden so manche Schule am Donnerstag. Dies teilte man Eltern am Mittwoch gegen 19Uhr auf elektronischem Wege mit. Und ja, lieber 1 Tag Schulausfall als Schüler von Ästen erschlagen. Sicherheit geht vor! Am Donnerstag blieb jedoch tagsüber alles relativ ruhig – zumindest im Landkreis Lüneburg. Hier und da fielen Äste, knackten Bäume weg; alles was man vom Sturm Christian noch gewohnt war. Das gab dem Landkreis zu denken. Während bereits am späteren Nachmittag die Nachbarkreise Schulfrei vermeldeten, tat sich Lüneburg schwer. Einzig die Region Amt Neuhaus bekam Nachricht – alle anderen sollten noch warten:

 

Unterrichtsausfall für Schüler aus dem Amt Neuhaus am Freitag, 6. Dezember05.12.2013 (Landkreis Lüneburg)

 

(lk/fn) Für alle Schülerinnen und Schüler aus der Gemeinde Amt Neuhaus fällt auch am Freitag, 6. Dezember, der Unterricht aus. Aufgrund der Unwetterlage kann der Schülertransport für sie nicht gewährleistet werden. Der Unterrichtsausfall gilt für sämtliche Schülerinnen und Schüler, die im Amt Neuhaus wohnen.

Ob auch für die anderen Schülerinnen und Schüler im Landkreis Lüneburg morgen wieder der Unterricht ausfällt, entscheidet der Landkreis am späten Donnerstagabend oder am frühen Freitagmorgen. Sobald die Entscheidung für einen Unterrichtsausfall fällt, informiert der Landkreis darüber auf www.lueneburg.de sowie über die Verkehrsnachrichten im Radio. Wer Schulausfallmeldungen direkt nach Hause geschickt bekommen möchte, kann überwww.lueneburg.de/schulausfall den Schulausfall-Newsletter des Landkreises Lüneburg abonnieren.

Die Elbfähre Amt Neuhaus hat aufgrund der Witterung derzeit den Fährbetrieb eingestellt und wird ihn frühestens morgen (Freitag, 6. Dezember) bei Tageslicht wieder aufnehmen. Die Fähre Tanja zwischen Darchau und Neu Darchau ist aktuell (Donnerstag, 5. Dezember, 17:30 Uhr) in Betrieb.

Nun denn, man wartete und wartete … während man im Radio von den okanartigen Böen sprach, die in den Vormittagsstunden wüten werden. Ähnlich die Warnung vor dem Blitzeis und andere Warnungen, die immer wieder mit dem Hinweis endeten, bitte nicht das Haus unnötig verlassen. 20 Landkreise in der Region entschieden Schulfrei – Landkreis Lüneburg entschied sich nicht – somit mussten die Kinder heute früh, trotz unkalkulierbaren Eisflächen und Böen zur Schule. Einige Eltern berichteten:

Landkreis Lüneburg… kinder freundlich???? :-/ Kreis Lüneburg Amtliche UNWETTERWARNUNG vor ORKANARTIGEN BÖEN Es treten orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten um 110 km/h (31m/s, 60kn, Bft 11) aus nordwestlicher Richtung auf. Die Warnung wird voraussichtlich verlängert. ACHTUNG! Hinweis auf mögliche Gefahren: Es können zum Beispiel Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt werden. Achten Sie besonders auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände. Schließen Sie alle Fenster und Türen! Sichern Sie Gegenstände im Freien! Halten Sie insbesondere Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen. Vermeiden Sie möglichst den Aufenthalt im Freien! [gültig von: 05.12.2013, 18:20 Uhr bis: 06.12.2013, 10:00 Uhr]

 

 

 

Bei uns im Dorf ist vorhin ein Auto auf einen Schulbus aufgefahren ! Ohne weitere Worte….

 

 

 

Ich versteh sowas nicht, gestern war nur ein bisschen Sturm und heute donnert es, Äste fliegen umher und wir Schüler, bekommen kein Schulausfall? Echt der beste Landkreis den man sich vorstellen kann. So ein unverantwortliches Verhalten das ist nicht zu glauben derjenige der das entschieden hat soll mal aus seinem Büro kommen und sich 20 Minuten an eine Bushalte stelle im Dorf stellen dann weiß derjenige wie das ist.
Oh man ey das kanns nicht sein hier bei uns ist eisregen ich war heute nacht 3 mal raus um das eis zu entfernen sodass es heute morgen einigermaßen sicher ist den Bürgersteig zu betreten. Aber naja typisch Landkreis die denkennauch alle das man mal eben zur Schule kommt. Was ist mit den Zugfahren und Fajradfahrern ???? Nicht jedermans Eltern haben Zeit einen mal ebenbzu fahren, nicht jeder der NICHTMAL IM WIMTER EINE BUSFAHRKARTE VERGÜNSTIGT BEKOMMT ist bereit 5 Euro fur den bus auszugeben. Stellt euch vor es liegt Schnee und man kann kein Fahrad fahren weil dieser Landkreis wie so oft es nicht auf die Reihe kriegt dem Schnee zu räumen das sind in der woche mal eben 25 Euro NUR FÜR DEN BUS. Wenn Schule ist sollten sie wenigstens mal im Winter Vergünstigungen auf bus- und bahnkarten geben !
 
 

Nun kann man sich den Behörden unterordnen – oder eben nicht. Es gab wohl Eltern, die eine Art zivilen Ungehorsam durchführten, denen ein Fehltag in der Schule lieber wäre, als ein Ast auf dem Kopf ihres Zöglings. Ganz im Sinne des schweizer Wetterfachmannes Kachelmann, der gestern auf Facebook schrieb:

Es treten in der Glotze nun wieder die Leute auf den Plan, die gerne einmal im Leben ein Ausgehverbot verhängen würden – nochmal, #Xaver #pustekuchen ein Sturm, wie er fast in jedem Jahr vorkommt. Zweitens reichts es, wenn der gesunde Menschenverstand regiert – wie schon vorgestern erwähnt: Diese Windgeschwindigkeiten an sich bringen niemanden um. Man braucht auch nicht zuhause zu bleiben, wenn man auf einer baumlosen Insel oder auf dem ebensolchen flachen Land ohne irgendwelchen fliegbaren Gegenstände weit und breit lebt oder in einer Grossstadtschlucht mit einer Fassade, von der nichts wegfliegen kann. Dann kann man raus uns den Sturm geniessen, das ist nichts Perverses.

Der bevorstehende Sturm/Orkan ist deshalb gefährlich, weil er eine Sturmflut generieren kann (die enstprechenden Vorhersagen hierhttp://www.bsh.de/aktdat/wvd/wahome.htm) und vor allem, weil bei solchen Windgeschwindigkeiten Dinge abbrechen, durch die Gegend fliegen oder einem mit der Geschwindigkeit des Windes vor den Latz knallen. Folgende Dinge sind potentiell doof, bescheuert bzw. lebensgefährlich:

– Nähe von Bäumen aller Art ob mit oder ohne Auto drumrum
– Nähe von Gerüsten
– Autobahnfahrten mit Nähe von LKWs, deren Fahrer manchmal gleichzeitig die Praline lesen, Fernsehen gucken, telefonieren, essen und nur eine Hand am Steuer haben und sich wundern, wenn eine Böe von der Seite kommt und die andere Hand nicht schnell genug zum Lenkrad bekommen
– Weihnachtsmärkte mit nicht sturmfesten Aufbauten. Eine Tür zu einer Glühweinbude, die mit 100 km/h aufklappt, weil irgendein Depp auf der anderen Seite Durchzug ermöglicht hat, ist meist tödlich, vor allem für Kinder.

Auch wenn das in Deutschland immer ganz, ganz schwer ist mit diesem Satz, ich wage ihn trotzdem, auch wenn er sich schröcklich nach amerikanischen Zuständen anhört: Sie sind selbst verantwortlich, dass es Ihnen und Ihren Lieben bei Sturm gut geht. Es wird an den gefährlichen Orten kein Schild geben, auf dem steht "Astabbrechen verboten", obwohl Sie das bei der gegenwärtigen Steuerbelastung in Deutschland natürlich verdient hätten und verlangen könnten. Wenn im Kindergarten Ihres Kindes im Norden Deutschlands ein fetter Baum steht und Donnerstag Mittag ist Schluss und Ihnen fallen auf dem Weg zum Kindergarten schon viele abgebrochene Äste auf, kann Ihnen das zu denken geben. Überlegen Sie im Vorfeld, wo Sie durchkommen können, ohne flugfähigen Gegenständen aller Art zu begegnen – ein Umweg kann Ihnen das Leben retten.

Und zu guter Letzt, auch nochmal: Es gibt keinen Grund zur Panik. Es ist kein Tornado, kein Tsunami und kein Hurrikan. Wir haben alle eine ausserordentlich realistische Chance, den Sturm zu überleben und nicht den Blödtod durch irgendein Objekt auf die Rübe zu sterben. Wir müssen nur gucken, dass keine solche Objekte in der Nähe sind. Und nachts ist alles doof, weshalb es Donnerstag Abend Und Nacht besonders uncool ist, durch irgendwelche baumnahen Gebiete zu gehen/fahren. Der Baum ist manchmal ein Arsch, bricht ab, wenn das Gröbste schon durch ist und ist oft nicht weiss angemalt, so dass man ihn (zu) spät sieht. Wenn Sie mit 100 fahren und ein Baum kommt mit 100 von der anderen Seite in Ihre Scheibe, wars das.

Kurzum, es wäre ziemlich einfach und einer meiner grössten Wünsche, dass ein solcher Sturm in Deutschland mal ohne Tote abgeht. Bitte geben Sie sich diesmal Mühe, danke. You can get it if you really want.  

Es bleibt jedoch der Beigeschmack des Landkreises, der die Sicherheitsrisiken, zum Teil auch der selbstverschuldeten, nicht oder falsch einschätzt. Eine echte Werbung für den Landkreis zwischen Elbe und Heide ist dies keineswegs. Besonders beschämend, dass man die Eltern der Schüler im Unklaren lies. So ganz spontan ist zum Beispiel eine Kinderaufsicht für Grundschulkinder nicht zu finden – und und der Aussage von Kachelmann zu folgen: Auch wenn es kein Tornado, kein Tsunami war – Sicherheit geht vor. Und hier sollten Eltern für ihre Kinder entscheiden können, nicht Landräte!

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One comment on “Xavers Schüler

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