Ohne Moos nix los!


Gediegen in your face: das Jugendwort 2013

(W.L.) Ich Chef – Du nix! Nein, das ist nicht die Art, wie ich meine

Untertanen motiviere. Es ist ein Sprüchlein, wie man es

zuweilen unter Erwachsenen hören kann.

 

Das Wort „Babo“ steht aber mindestens in der Nähe des

obigen Spruches. Es stammt aus dem türkischen Wortschatz

und heißt: Boss oder Anführer.

 

Wie der Langenscheidt-Verlag heute bekannt gab, ist „Babo“

zum Jugendwort des Jahres 2013 gewählt worden.

 

Ehrlich gesagt: ich bin enttäuscht. Nun bin ich zwar gewohnt,

dass meine Sklaven vor mir kriechen und mich als Chef oder

Herr und Gebieter titulieren, aber, als Babo?

 

Mal ehrlich, können Sie sich vorstellen, dass ihnen einer die

Füße leckt und dabei unterwürfig Babo sagt?

 

Das mag vielleicht in der Türkei lustig sein, aber bei uns in

Deutschland hat dieses Wort keinen Klang. Es erinnert hier

irgendwie an Baby oder – noch schlimmer – an Haribo. Das

sind diese mundgerechten Gummibären, die in gelb und

grün schimmern und angeblich von Kindern so gemocht

werden. Ich habe sie nie geliebt – aber egal – das ist eine

andere Geschichte.

 

Ein Blick in die Langenscheidt-Liste zeigt, was auf den

übrigen Plätzen gelandet ist: fame, gediegen, in your face

und Hakuna Matata.

 

Hakuna Matata? Das wär mein Favorit gewesen. Der Spruch

ist aus dem afrikanischen Wortschatz und heißt:

Keine Probleme. Ich mag diesen Spruch, vor allem, wenn ich

mich an meine Sklaven wende und in väterlichem Ton frage:

Habt ihr Probleme? Und alle mit dem Kopf schütteln und

sagen: Nein. Da fände ich ein Hakuna Matata angebracht. Es

klingt so fröhlich und unterwürfig. Habt ihr Probleme? Aber

Herr und Gebieter – wir doch nicht. Hakuna Matata!

 

Und die anderen Loooser-Wörter? Fame und In your face –

das klingt nach Deutschland sucht den Superstar. Diese

Sendung mit Dieter Bohlen, in der Sänger auftreten, deren

Gehör kreativer ist als ihre Stimme. Die hören nämlich lieb-

liche und gerade Töne aus ihren Mündern klingen, wir andren,

die wir kein kreatives Gehör besitzen, hören aber nur schiefes

Gekrächze, wie das eines kotzenden Iltis, der zudem noch

unter Durchfall leidet. Und weil Bohlen kein so originelles

Gehör – wie seine Teilnehmer – besitzt, sagt er ihnen auch ins

Face, wie miserabel ihr Gesang war. Wenigstens sind sie –

gesanglich – mit Bohlen auf einer Höhe. Und sie hatten ihren

Auftritt im Fernsehen. Sind also für einen kurzen Moment be-

rühmt. Was nur ein schwacher Trost sein mag, aber immerhin

ein Trost.

 

Das Wort „gediegen“ wiederum gefällt mir. Bei einer Gelegen-

heit lag ich auf den Sofa und sah zu, wie meine Sklaven mich

bedienen und die Wohnung säubern mussten, da wurde einer

frech und sagte, ich könnte meinen fetten Hintern erheben und

mit anpacken; doch ich blieb demonstrativ liegen und sagte:

lassen wir alles beim alten, das ist am Gediegensten, da wider-

sprach keiner. Ich weiß eben durch Sprache zu beeindrucken!

 

Ja, ich weiß durch Sprache zu beeindrucken – aber leider nicht

mehr. So endet ein inniger Tagtraum. Die Realität holt mich

wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie sagt mir ins

face, dass hier nur einer fame ist und immer sein wird. Dann

packt sie mich am Kragen und fragt, ob ich damit ein Problem

hätte? Ich schüttle den Kopf, Nein, sage ich, alles gediegen.

Aha, sagt die Realität, und wie nennt man das? Ich sage:

Hakuna Matata. Na also, sagt die Realität, geht doch. Und be-

vor sie aus der Tür verschwindet, fragt sie noch, wer ist hier

der Babo? Aber darauf spare ich mir die Antwort. Es ist zu

offensichtlich.

 

Das also ist der Traum eines Texters am Computer!

 

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