Die kranken Späße der Internet-Trolle

(W.L.) Die Zeit vor Weihnachten ist die Zeit der Märchen, Mythen und

Trolle. In dieser Zeit lese ich gerne die Weihnachtsgeschichte

von Charles Dickens. Wie jedes Jahr begeistere ich mich an der

Heimsuchung des Ebenezer Scrooge durch drei Geister: dem

seiner Vergangenheit, dem seiner Gegenwart und dem seiner Zu-

kunft. Am Ende ist er ein geläuteter, besserer Mensch. Unwesen

hausen aber sowohl in Büchern, als auch in der digitalen Welt.

Ja, ich meine diese kleinen Unholde, die sich im Märchen und

auch im Internet tummeln: die Trolle.

 

Trolle werden zwar auch als Geisterwesen bezeichnet, aber sie

haben mit den Geistern des Ebenezer Scrooge wenig gemein;

und die in der digitalen Welt können gemeiner sein, als die in

der Welt der Märchen.

 

Seit dem Aufkommen des Internets, seit den 90iger Jahres des

letzten Jahrhunderts treiben diese Geisterwesen ihre kranken

Späße. Denn um Läuterung und Besserung des Heimgesuchten

kümmern sie sich herzlich wenig. Daher sind sie auch nicht Ver-

gleichbar mit den Wichteln. Diese liebenswerten Trolle bringen

Geschenke und können sich auch mit den Beschenkten anfreun-

den. Was aber liegt den anderen Trollen am Herzen? Drei Dinge:

ihre eigene Person, ihre eigene Person und ganz wichtig: ihre

eigene Person! Ihre Beweggründe? Die Suche nach Spaß, Auf-

merksamkeit, oder, um Schaden anzurichten.

 

Eine geeignete Strategie besteht darin, wenn man ihnen kein

Futter reicht, wenn man sie also unbeachtet lässt. Im Fach-

jargon der Netzkultur spricht man dann von: Don`t feed the

troll. Das muss aber nicht unbedingt immer gelingen.

 

Ein Troll wird auch oft als Twit, also als Dummkopf, bezeichnet.

Wohl aus dem Grund, weil er sich – trotz mangelnder Fütterung

nicht verziehen will. Die Gier nach zerstörerischem Verhalten

sitzt eben tief in seinem Inneren. Ähnlich wie Dickens Ebenezer

Scrooce. Es mag durchaus sein, dass Trolle auch gerne Märchen

lesen; vielleicht gefällt auch ihnen die Weihnachtsgeschichte und

sie spielen sie mit verkehrten Rollen nach. Es mag sein, dass sie

die Rolle des Scrooge spielen und selbst Geister suchen, die nun

sie heimsuchen und zu besseren Menschen läutern.

 

Im Märchen, wie in der digitalen Welt, ist alles möglich, warum

also nicht auch dieses umgekehrte fordern, also betteln, um Hilfe.

 

Wenn also in Zukunft ein Troll umgekehrte Forderungen an mich

richten sollte, werde ich ihm einen Psychiater empfehlen. Und da

bekommt der Troll endlich das, was er so dringend wünscht:

ungeteilte Aufmerksamkeit.

 

Einen Spruch hätte ich noch!

 

Das Internet ist eine moderne Mythologie:

hier wie dort gibt es marternde Trolle.

 

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