Feier- oder Trauertag

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Endfassung - Titel okt3 - web(he) Bereits nächstes Wochenende begehen wir den 09. November. Was ist dieser Tag für uns Deutsche? Der Tag der friedlichen Revolution, der uns zeigte, das Veränderungen möglich sind? Eine Revolution die nicht nur Nachkriegsdeutschland veränderte, sondern die ganze Welt? Und das ohne einen Tropfen Blut? Oder ist der 09.11. ein Tag den man gar nicht nennen mag, da es der Tag der Gewalt, der Tag des Mordes ist? 1989 – Tag der Freiheit, 1938 – Reichsprognomnacht…

Wie wir Deutschen mit unseren historischen Tagen umgehen sollten? Vielleicht ist die eine oder andere Idee aufgreifbar, die innerhalb des folgenden Beitrages steckt. Der Origanalbeitrag wurde im Preußischen Anzeiger – Das politische Monatsmagazin Ausgabe Oktober November veröffentlicht:

 


Doch wo bleibt der Stolz?


Die letzten Tage hatten es in sich. Viele Ehrentage, einige Feiertage und Gedenktage häufen sich regelmäßig Anfang Herbst. Am bekanntesten ist wohl der Tag der deutschen Einheit. Jährlich am 03. Oktober und jährlich ohne stolz. In Berlin eine Party mit globalen Sponsoren, wie Coca Cola – von daher rot weiß, statt schwarz rot gold und irgendwo in der Bundesrepublik einige Ansprachen an Politiker. Keine ans Volk, warum auch?  Zusätzlich, ganz am Rande des Festumzuges und der irgendwie-müssen-wir-doch-feiern-Feiern Schnapsleichen und verschüttetes Bier. So wird der Tag der deutschen Einheit gefeiert. Warum auch mehr? Das reicht, denn kaum einer fragt nach: Welche Einheit? Stattdessen sitzt das Fußvolk vor dem Fernseher und schaut sich Hollywood an, wie es die Welt vernichtet. Oder – keineswegs besser – Möchtegern-Hollywood aus Babelsberg, wie es die Welt rettet.

Einigen Millionen Mitmenschen fällt dann der Gegensatz ein. Die ehemalige staatlich verordnete Feierlaune im großen Stil. Die DDR hat Geburtstag. Noch heute. Denn der untergegangene Versuch ist längst nicht aus den Köpfen. Wie auch? Die politische Elite der Bundesrepublik macht jeden Schritt in die Richtung DDR2.0. Natürlich ohne SED, dafür gibt es die neue nationale Front mit den Staatsparteien von CDU bis Grün, von SPD bis AfD und FDP bis Linke. Statt Sozialismus für den Frieden wird Mindestlohn und Europa deklariert, statt dem Kollektiv der sozialistischen Arbeit den Gewerkschaftstrupp mit Leiharbeitern. Klingt anders, ist aber irgendwie das gleiche, wenn nicht sogar das selbe. Böse Zungen verbreiten immer gern, Angela Merkel wäre Honeckers Rache. Doch der feiert oben mit Strauß und beide erbrechen ihre Lebenseinstellungen, wenn sie auf das heutige Deutschland schauen. Gleichgeschaltete Medien, Maulkörbe und Zwangsarbeit. Gerade letzteres dürfte das Volk an einen gewissen Herrn Hitler erinnern. Arbeitslos? Dann ab zum Arbeitsdienst. Heute Hartz IV „Ein Euro Jobber“ genannt.

Deshalb muss man weiter zurück. In der Geschichte unseres Bodens. Denn irgendwann gab es mal die Helden. Jene die nicht die Welt retteten, sondern ihr Land. Und vielleicht unbeabsichtigt damit sogar die Welt.

Die Potsdamerin Eleonore Prochaska war so eine Heldin. 1785 geboren, unter ärmlichen Verhältnissen groß geworden, kämpfte für ihre Heimat, für Preußen. 1813, als August Renz verkleidet, stieß sie zum Lützowschen Freikorps:
 „Wir standen in Sandau an der Elbe. Hier kam auch ein Jäger Renz zur Kompanie – wie sich später zeigte, ein Mädchen Namens Prochaska. Er wurde Flügelmann, 3 Fuß, 8 Zoll, 3 Strich hoch – Es wurden uns englische Schuhe geliefert, alle bedeutend zu groß für Renz und ich musste besonders für ihn ein Paar arbeiten lassen. Seine Sprache war nicht besonders fein, so dass niemand in ihm ein Mädchen vermuten konnte. Übrigens kochte er vortrefflich in den Biwaks.“ schrieb Leutnant Otto Preusse.

In der Schlacht an der Göhrde, nahe Dannenberg, heutiges Niedersachsen, wurde die Heldin schwer verletzt und erlag drei Wochen später ihren Verletzungen.
„Heute morgen um 9 Uhr wurde die Leiche der in der Schlacht an der Göhrde verwundeten Eleonore Prochaska zur Erde bestattet, welche als Jäger im Lützowschen Korps unerkannt ihren Arm der heiligen Sache des Vaterlandes geweiht hatte. Gleich einer Jeanne d’Arc hatte sie mutvoll gekämpft den Kampf für König und Vaterland. Trauernd folgten dem Sarge, der von ihren Waffenbrüdern getragen wurde, das hannoveranische und russisch-deutsche Jägerkorps und der Oberst Graf Kielmannsegge nebst sämtlichen Offizieren. Der königlich-preußische Grand maitre de la Gadrobe, Minister und außerordentlicher Gesandter Graf von Groote, hatte sich ebenfalls eingefunden. Eine dreimalige Gewehrsalve rief der vom Sturm des Krieges geknickten Lilie den letzten Gruß nach in das Grab.“
hieß es in einer Zeitungsmeldung.

Leonore wurde zur Volksheldin. Im Volk, in den Armeen und in der Elite. Ein Denkmal in ihrer Geburtsstadt Potsdam. Ein Schauspiel, von keinem geringeren als Ludwig van Beethoven komponiert, von Friedrich Duncker geschrieben. 

Neben Elonore gab es noch andere Frauen, die sich für ihr Volk an vorderster Linie einsetzten. Friederike Krüger, die erste bekannte Unteroffizierin. Anna Lühring oder Johanna Stegen, seien als Beispiel genannt. Neben den hunderten unbekannten deutschen Heldinnen des Alltags, die zur Befreiung ihr bestes bis hin zum Leben gaben, standen auch fremdländische Frauen mit den deutschen Truppen Seite an Seite. Nadeschda Durowa, Katharina Lanz sind nur zwei von hunderten tatkräftigen, mutigen Frauen.

Im Jahre 2013, ein Jahr in dem man über Frauenquote diskutiert, sind diese Namen vergessen. Wer ein wenig logisch denkt, sollte doch meinen alle Frau Schwarzers Deutschland sollten sich auf jene Frauen berufen und ihren Einsatz würdigen. Doch weit gefehlt!

Nur wenige gedenken der Befreiungskriege in Deutschland. Dabei retteten diese die Welt. Unsere Politprominenz fördert jedoch das Gedenken an diese Zeit keineswegs. Viel eher wird uns Schuld und Sühne beigebracht. Deshalb wird der Tag der Einheit an einem willkürlichen Tag gefeiert. Es hätte nicht der 07. [sociallocker id=”1011″] Oktober sein müssen, an dem Elonore ihr Leben für die Freiheit gab, auch nicht weil Papst Gregor XIII zu diesem Datum das Rosenkranzfest legte. Eine Erinnerung an die Seeschlacht von Lepanto. Der 09. November? Jener Tag der in die Geschichtsbücher als Tag der Freiheit einging. Jener Tag in dem die friedliche Revolution ihr erstes Ende fand. Jener Tag ist für die Schuld- und Sühne-Fraktion, welche nur in 12 Jahren denken kann, zu stark negativ besetzt. Der 19. Oktober, der letzte Tag der Völkerschlacht bei Leipzig wäre aber auch ein guter Tag zur Deutschen Einheit gewesen.

Immerhin kämpften 205.000 später bis zu 365.000 Mann für Deutschland. Zusammengesetzt aus fast allen deutschen Ländern, mit Unterstützung von Russland, Österreich und Schweden. Zum Tag der deutschen Einheit könnten wir auch den gefallenen und verwundeten Streitern für die Freiheit gedenken. Allein bei der Völkerschlacht gab es über 130.000 Tote und Verwundete. Mit dem deutschen Schuldkult hätte man auch allen anderen Opfern, die für die Freiheit, für Deutschland kämpften, gedenken können. 

Auch der Reformationstag hätte der Bundesrepublik als Tag der deutschen Einheit gut gestanden. Die Lutherthesen haben jedoch eine solche Durchschlagskraft, dass man daran lieber nicht erinnern möchte. Nicht nur die Ablasspraxis, die in weiten Kreisen gedacht, noch heute existiert, würde die Führungselite der Bundesrepublik stören. Immerhin war dieser Tag auch für die deutsche Sprache wichtig. Eine Sprache, die – zumindest teilweise – dem Untergang geweiht ist. Nicht nur wegen der Rechtschreibreformen, dem gewandelten Unterricht an Grundschulen, in denen die Schreibschrift abgewickelt wird. Viel effektiver ist die Werbe- und die Gossensprache, die Einzug hielt und hält. Unkaputtbar ist im Sale bei Alda, isch mach disch platt mit Messer, weil ich weiss wo dein Haus wohnt! Keine wirklich guten Aussichten für unsere Muttersprache, wenn es nun Postpoints gibt und an Universitäten auf die englische Ausarbeitung geachtet werden. Gänzlich unrühmlich, wenn dann die Bundesregierung nicht in der Lage ist, die eigene Sprache in das Grundgesetz einzupflegen und auf internationalem Bankett versucht fremdsprachlich aufzutreten. Ebenso unrühmlich, wenn man Klassiker und Speisen im Sinne des „political correctness“ umschreibt! Kein Neger mehr, keine Hexe mehr, wenn doch das Gott entscheiden darf! [/sociallocker]

Stellt man sich dann wirklich noch die Eingangsfrage? Der 03. Oktober und Stolz oder wenigstens Feierlaune?

Stolz, wenn Heimatliebe unerwünscht ist. Stolz, wenn deutsche Erfindungen amerikanische Label tragen? Stolz, wenn wir immer nur an Schuld und Sühne erinnert werden? Stolz, wenn unsere Kinder zwar shoppen aber nicht einkaufen können? Stolz?

Der Deutsche ist in Demut. Der ostdeutsche Wunsch „Wir sind das Volk“ brachte eine Parteiendiktatur mit demokratischer Farbwahl. Der deutsche Wunsch, „Wir sind ein Volk“ verwandelte sich, dank geschickter Manipulation, in reich und arm.

So spendet der Deutsche für Afrika, während der Flaschensammler beim ersten Bodenfrost unterwegs ist. So wählt der Deutsche grün, während seine 3-Liter Maschine aufheult und spricht für eine hohe Gage von Arbeiterrechten und Freiheit.

Sollen wir darauf wirklich stolz sein? Zum Stolz gehört das denken an die eigene Historie. Ganzheitlich! Zum Stolz gehört das Vorausdenken und Vorauswirken. Beides schafft der Deutsche nicht. Will er überhaupt noch stolz sein?

So gesehen, passt der 03. Oktober sehr gut als Feiertag. Kein Nationalfeiertag, kein Heimattag, kein Tag fürs Volk. Ein freier Tag mit Politikerreden. So gesehen haben also, die damaligen Bestimmer des Feiertages, zukunftsträchtig gehandelt. So gesehen passen Coca-Cola und Schnapsleichen doch ganz gut in den Oktober. Und zum Tag der Einheit auch der Tag der offenen Türen – passenderweise in den Moscheen der Bundesrepublik. (X)

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