Ohne Moos nix los!


Abhörkünstler der Überwachung

Es wird gemeldet, die USA würden das Privathandy von Kanz-

lerin Merkel überwachen. Skandal! Skandal! ruft das ganze

Land aus einer Kehle.

 

Meiner Empörung habe ich Zügel angelegt. Aber nicht wegen

den Amerikanern, die sich als Abhörkünstler einen großen

Namen erarbeiten, sondern wegen Merkels Reaktion. Nach-

dem sie von dem Skandal durch Mitarbeiter ihres Geheim-

dienstes erfahren hatte, soll sie umgehend beim amerika-

nischen Präsident Obama angerufen und sich beschwert haben.

 

Worüber bitte beschwert die sich? Sie wuchs in der DDR auf,

war Mitglied bei der kommunistischen Freien Deutschen

Jugend und soll dort – laut ihrem Biografen Gerd Langguth –

für Agitation und Propaganda zuständig gewesen sein. Sie hat

also einem Regime gedient, dass viel Aufwand an Über-

wachung betrieben hat. Das Ministerium für Staatssicherheit

soll – laut eigener Statistik – täglich 90.000 Briefe abgefangen

und – im Jahr 1985 – 1,2 Millionen Telefonate außerhalb von

Berlin aufgezeichnet haben. Aus diesen Aufzeichnungen

wurden aber gerade mal 11.000 Berichte gefertigt. Das ist

tatsächlich wenig. Die Amerikaner haben ein Spähprogramm

(PRISM genannt) und damit können sie weltweit Millionen

von Daten sammeln und – welch Sieg der Technik! – auf live

geführte Kommunikation und gespeicherte Informationen bei

den beteiligten Internetkonzernen zugreifen. Diese Möglich-

keiten hatte die Stasi damals nicht – welch ein Skandal!

 

Ja, darüber würde ich mich – als Frau Merkel – auch empören.

Sind die Amerikaner Abhörkünstler, dann war die Stasi nur ein

Abhörkünstler-Lehrling. Ein verspäteter Sieg des Kapitalismus

über den Kommunismus? Nicht wirklich.

 

Ob Kapitalismus oder Kommunismus, beide sind feindliche

Brüder und vereint in dem Ziel, ihre Bürger auszuspähen. Das

PRISM-Programm späht nämlich nicht bloß Bürger anderer

Staaten aus, nein, auch die eigenen werden nicht geschont. Das

ist bei uns in Deutschland auch nicht anders. Längst sind wir

alle zu gläsernen Bürgern geworden. Und nun hat es auch die

Merkel getroffen. Vor dem Spähprogramm der Amerikaner sind

alle gleich. Jeder hat das Recht, auf die gleiche Art und Weise

abgehört zu werden.

 

Von diesem Recht will auch die Europäische Union Gebrauch

machen. Es liegen bereits Pläne in der Schublade, dass allen

Bürgern in den EU-Staaten ein Chip eingepflanzt werden soll,

mit dem man sie permanent überwachen kann. Ermöglichen

soll das ein Chip unter der Haut. Dieser Chip heißt: Radio-

frequency identification, kurz: RFID-Chip. Der RFID-Chip ist

der Lorbeerkranz der Überwachung. Damit rückt die Euro-

päische Union zum genialen Künstler der Überwachung auf.

Picasso war ein genialer Künstler in der Malerei und die Euro-

päische Union ist es auf dem Gebiet der Überwachung. Ach,

wenn das Erich Honecker noch erleben dürfte! Da ließ er

jahrzehntelang – mit großem Aufwand – Leute überwachen

und überprüfen, und dabei geht alles so einfach.

 

Das weiß auch Kanzlerin Merkel. Sie muss aber reagieren

und tut es, indem sie Empörung heuchelt. Das hat sie ja ge-

lernt – unter anderem – als sie in der FDJ war und dort für

Agitation und Propaganda gesorgt hat.

 

Mir ist die Empörung der Kanzlerin Schnuppe, was mich

verschnupft, was mir Schweißperlen auf die Stirn treibt, ist,

dass uns Bürgern unsere Souveränität genommen wird. Die

Regierungen sollen den Willen des Volkes umsetzten und

ihn nicht als Würfel für ihre Machtspiele missbrauchen.

Darauf läuft nämlich dieser ganze Überwachungsterror

hinaus: der Bürger ist nur Spielzeug für die Machthaber. In

einer Diktatur mag der Bürger Spielzeug für Machthaber

sein, in einer Diktatur sollte er aber Mensch sein und auch

so behandelt werden. Nicht mehr – nicht weniger.

 

Und sollte deutlich werden, dass Kanzlerin Merkel nicht in

dem Maße ausspioniert wird, wie sie befürchtet, ist das für

uns Bürger auch kein Trost. An unserer Überwachung

ändert das wenig. Mancher Politiker glaubt: Demokratie ist

ein Schachbrett, mit Bürgern als Schachfiguren. Wohl die

Zeit, die für Machtspiele nicht missbraucht wird. Sie möge

zügig beginnen!

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