Die Eisbrecher der deutschen Politik

Politiker und ihr Verhältnis zur deutschen Sprache.

Die bayerische Landesvorsitzende der Grünen

Theresa Schopper sagte über die scheidende Partei-

vorsitze Claudia Roth: sie habe sich „zu einem Eis-

brecher für konservative Männer“ entwickelt. Wie?

Die linke Roth als Eisbrecher für konservative

Männer? Und das noch als Kompliment?

 

Interessant! Frau Schoppers Aussage lässt mehrere

Deutungen zu. Sie meint: Claudia Roth hat das Eis

zwischen Frauen und konservativen Männern ge-

brochen. Das Verhältnis zwischen beiden ist wärmer

geworden, oder: sie hat das Eis der konservative

Männer gebrochen, das jene dafür gebraucht haben,

um Frauenrechte auf Eis zu legen.

Letztere Vermutung legt nahe, Frau Roth als Waffe

gegen konservative Männer zu betrachten. Dann

hätte Frau Schopper aber sagen müssen: Frau Roth

ist ein Eisbrecher gegen konservative Männer. Das

hat sie aber nicht gesagt. Vielleicht war auch nur

ihre Zunge schneller als ihr Verstand. Hätte sie ge-

sagt: Die Roth ist eine Waffe, die man für konser-

vative Männer gut verwenden kann. Hätte ihr Satz

wie eine Spitze gegen die attackierten Männer ge-

wirkt. So aber erleidet ihr Satz einen Schiffbruch

im Meer der Grammatik.

 

Möglich ist auch – zieht man Freud und das Un-

bewusste in Betracht – dass Frau Schopper meint,

ihre Parteikollegin sei eine Geheimwaffe der kon-

servativen Männer gegen linke Frauen und über-

haupt gegen die Rechte der Frauen? Also so etwas

wie ein Einfallstor ins Reich der Frauen? Nein, das

wird sie bestimmt nicht gemeint haben.

 

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang, was

Frau Schoppers noch über Claudia Roth gesagt hat,

sie meinte: Du bist auf der Skala Leidenschaft imm-

er mit der vollen Punktzahl. Ja, Leidenschaft ist ein

hübsches Stichwort.

 

Ich glaube, Frau Schoppers war einfach nur leiden-

schaftlich und hat schneller gesprochen als gedacht.

Sie meinte schlicht: die Roth ist ein Eisbrecher gegen,

oder wider, konservative Männer.

 

Das hätte Frau Roth bestätigen können, indem sie ge-

sagt hätte: Lasst uns weiterhin für dieses Ziel kämpfen.

Doch was sprach die ebenfalls leidenschaftlich Roth?

Lasst uns kämpfen für das, wo wir hinwollen.

 

Ich fasse zusammen: die, wo da bei den Grünen gegen

konservative Männer sein tun, haben ein kreatives Ver-

hältnis zur deutschen Sprache, die wo offen ist, für die

dollsten Überlegungen, die wo man für oder gegen alles

oder nichts wenden kann und die wo keine Ziele haben

tun, sondern einfach nur nach „wo“ unterwegs sein tun.

 

Ja, in der Tat, da müssen sich nicht bloß die Ziele der

Grünen, sondern, neben konservativen Männern, auch

die Wähler der Grünen und überhaupt jeder Mensch in

Acht nehmen.

 

Der Philosoph Konfuzius hat vor mehr als tausend Jahren

erkannt, dass der Umgang mit Sprache klare Gedanken

braucht. Und wenn die einer nicht hat, dann kann er auch

keine Regierungsgeschäfte tätigen. Aber genau das wollen

die Grünen. Sie wollen an die Macht. Aber nicht so.

 

Wir haben bereits genug Leute an der Regierung, die man

bloß als Politdarsteller und Witzfiguren bezeichnen kann.

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