Gespräch mit Birgit Kelle – Autorin vom Kassenschlager “Dann mach doch die Bluse zu”

Allgemein, Deutschland ,

Aus dem aktuellen Preußischen Anzeiger:

Die Feminismus-Industrie in Deutschland ist empört. Der Bestseller „Dann mach doch die Bluse zu“ der Journalistin Birgit Kelle (38) setzt ein deutliches Zeichen gegen die Reduzierung der Leistung von Frauen auf Karriere und Wirtschafts-prozesse. Die Autorin fordert ein Ende der Bevormundung und politisch gewünschter Gleichmacherei durch die Schwarzers und von der Leyens und endlich Freiheit für die Frauen, ihren Lebensweg selbst zu wählen – selbst wenn sie lieber Mütter sind, als auf einen Aufsichtsratsposten zu hoffen.

Frau Kelle, in diesen Tagen wird die zweite Auflage ihres Buches „Dann mach doch die Bluse zu“ gedruckt. Offenbar hat die traditionelle Familie aus Vater, Mutter und Kindern trotz Frau von der Leyen noch ein paar Freunde in Deutschland….

Die traditionelle Familie hat sogar die Mehrheit zum Freund. Auch wenn viele Medien suggerieren, dass wir inzwischen hauptsächlich ein Land von Singles, Geschiedenen, Patchwork- und Regenbogenfamilien sind, werden nach wie vor über 80 Prozent aller Kinder bei ihren immer noch verheirateten Eltern groß. Willkommen in der Realität.
Als Familienpolitik wird in diesem Land all das bezeichnet, was dazu dient, die Kindererziehung in staatliche Hände zu übertragen, um Eltern schnellstmöglich wieder dem Wirtschaftsprozess zuzuführen. Die etablierten Parteien unterscheiden sich dabei nur marginal. Finden Sie sich da parteipolitisch noch irgendwo wieder?

COVER_Kelle_Birgit_Dann_mach_doch_die_Bluse_zu (1)Kaum, aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die eine oder andere Partei wieder wach wird – immerhin stelle ich an der Basis der etablierten Parteien fest, dass dort sehr viele noch ganz anders denken, als ihre jeweils eigene Parteispitze. Vielleicht wäre das mal eine neue Aufgabe für die FDP, falls sich dort noch ein paar letzte Freidenker und echte Liberale finden. Was wir hier als Familienpolitik verkauft bekommen, ist ja die Einführung ins gesellschaftliche Kollektiv. Da müsste einem als Liberaler doch der Atem stocken. Da will man Kinder angeblich individuell fördern, treibt sie aber wie Herden erstmal ab dem ersten Lebensjahr in Gruppen zusammen. Die SPD sagt, nur noch das „WIR“ entscheidet – ich empfinde das als Drohung. Konsequenterweise will sie ja die Krippenpflicht einführen. Die Grünen, ehemals Partei der Kinderläden, hat die deutlichste Kehrtwende vollzogen hin zu den Kindern, die nicht mehr frei spielen, sondern vom ersten Atemzug an nur noch Bildung und Ordnung zu sich nehmen sollen. Allein die CSU leistet noch Widerstand. Bayern scheint sowas wie das gallische Dorf der Familienpolitik zu sein – und ist damit, wie man sieht, ziemlich erfolgreich.
Die modernen Parteien von heute haben ja weniger unumstößliche Über-zeugungen, als dass sie aufs Wahlvolk schauen und dann einfach machen, was gewünscht wird. Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb sich in Deutschland kaum Politiker um die 80 Prozent Kinder kümmern, die bei ihren verheirateten Eltern leben, oder die 65 Prozent der Eltern, die ihre Kinder in den ersten drei Lebens-jahren selbst erziehen?

[sociallocker id=”1011″] Ja, weil wir aufgehört haben, Familienpolitik zu machen. Wir machen nur noch Wirtschaftspolitik. Da stören Kinder, sie sind so zeitraubend, diese kleinen herrlichen Biester. Zweitens haben Familien keine Lobby und sind selbst oft mit sich genug beschäftigt, engagieren sich also politisch leider zu wenig. Drittens, welche Politiker leben denn noch in traditionellen Familienbildern? Berlin scheint eine Insel zu sein und man nimmt sich selbst als das Normale. Hinzu kommt viertens eine Medienlandschaft, die auch nur noch um sich selbst kreist und den eigenen, häufig nicht verheirateten, kinderlosen oder geschiedenen Alltag beschreibt. Und nicht zuletzt haben wir gerade unter den Frauen in Politik und Medien das feministisch vorherrschende Diktat, dass es allein glückselig macht, wenn Frau beruflich erfolgreich ist und die Familie hintenan stellt. Sie geben den Ton vor, gerade in Sachen Frauen- und Familienpolitik und beschimpfen andere Frauen, die diesen Lebensentwurf nicht teilen. Woher soll also das positive, gelebte Familienbild noch kommen?

Als Sie sich in einer Fernsehsendung gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Partnerschaften aussprachen, wurden Sie öffentlich beleidigt und bedroht. Können Homosexuelle aus Ihrer Sicht keine Kinder erziehen?

Doch natürlich können sie, ich will das niemandem absprechen. Dennoch werden auch zwei liebende Väter niemals eine Mutter sein und zwei liebende Mütter niemals den Vater ersetzen. Das kann man nun wegdiskutieren, aber die Fakten bleiben leider stehen. Im übrigens geht es bei dieser Diskussion ja niemals um das Wohl der Kinder, sondern um Wünsche von Erwachsenen. Es gibt aber kein Recht auf ein Kind. Nicht für Homosexuelle und auch nicht für Heterosexuelle. Es gibt höchstens das Recht des Kindes, einen Vater und eine Mutter zu haben.

Wenn Sie die Entwicklung in Deutschland betrachten – Gender Mainstreaming, Anerkennung aller möglichen Beziehungen als „Familie“, weitgehende Aufgabe des Lebensschutzes, Scheidungsraten – , was gibt Ihnen den Optimismus, dass sich diese Gesellschaft irgendwann doch wieder in normale Bahnen bewegen wird?

Zum einen, weil sich ja bis heute die Mehrheit anders verhält, als es Medien und Politik gern hätten. Außerdem: In Norwegen, dem Vorreiterland des Gender Mainstreaming hat es auch lange gedauert. Vergangenes Jahr hat es dann ein Komiker geschafft, diesen Unsinn zu entlarven, die Bevölkerung wachzurütteln – im Ergebnis sind die Gelder für die Genderforschung gestrichen worden. Geht doch! In den USA, dem Land der höchsten Abtreibungszahlen, hat es auch eine Umkehr gegeben, nach zig Jahren. Möglicherweise muss das Pendel immer erst ins Extreme ausschlagen, bis es wieder in der Mitte landet. Ich beobachte in Deutschland, dass es gerade bei den Themen Feminismus und Gender Mainstreaming massive Bewegung gibt. Lange Zeit war den Menschen nicht klar, inwiefern diese Themen sie selbst auch persönlich betreffen. Seit sich herumgesprochen hat, was das kostet und dass Universitäten wie Leipzig und Potsdam verbal neuerdings von Herr Professorin sprechen, geht dem ein oder anderen ein Licht auf, ob wir möglicherweise nicht auch Wichtigeres zu tun haben in diesem Land. Manchmal braucht man eben einen langen Atem.

 

Ihre Haltung zu Fragen der Frauen- und Familienpolitik ist inzwischen einem großen Publikum bekannt. Für viele konservativ denkende Menschen in Deutschland gelten Sie als eine Art Hoffnungsträgerin. Sehen Sie sich selbst überhaupt als Konservative?

Sich für Wahlfreiheit von Frauen und Familien einzusetzen ist erstmal nicht konservativ, sondern liberal. Ich will, dass der Staat und die Politik mich in Ruhe lassen, um mein Leben so zu leben wie ich es für richtig halte. Ich bin diesen Nanny-Staat leid, der mir vorschreibt, was ich tun darf und was nicht. Was ich soll und was nicht. Die Grünen wollen mir sogar vorschreiben, was ich wann noch essen darf. Die SPD will die Lufthoheit über meinen Kinderbetten. Es reicht. Wir brauchen viel mehr Freiheitsdenker in diesem Land. Widerständler im besten Sinne. Und natürlich ist das Leben in einer traditionellen Familie lebens- und erhaltenswert, und damit auch konservativ. Und ich lebe gern in einer klassischen Ehe mit meinem Mann und unseren vier Kindern. [/sociallocker]

In Berlin wird derzeit über eine neue Regierungskoalition verhandelt. Vieles spricht dafür, dass es letztlich zu einer großen Koalition aus Union und SPD kommen wird. Hätten Sie eine Wunschkandidatin für das Amt der Bundesfrauenministerin?

Ich hätte gerne eine der Frauen aus der CSU. Dort hat man gezeigt, dass es kein Widerspruch ist, dass man konservativ und modern gleichzeitig sein kann. Christine Haderthauer schätze ich sehr, aber sie ist ja leider in München unabkömmlich. Sie wäre meine erste Wahl, gerne aber auch Dorothee Bär, die sich sehr für das Betreuungsgeld eingesetzt hat. Aber vor allem sollte es auf keinen Fall wieder Frau von der Leyen werden.

Wir danken für das Gespräch.
Im aktuellen Preußischen Anzeiger lesen Sie neben dem kompletten Interview noch weitere Nachrichten, Meinungen, Kommentare. So zum Beispiel die Rede zum 03. Oktober von M. Kleine-Hartlage, einen Bericht zur Schuldensituation in den USA von Marco Maier.

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