Die brennende Lunte der Political Correctness (von Wolfgang Luley)

Politische Korrektheit. Ein Unwort das brenzlig riecht. Wie

eine brennende Lunte. Ist das übertrieben?

 

Politische Korrektheit ist ein Übel unserer Zeit. Wer eine

Ansicht vertritt, die der weit verbreiteten Meinung nicht

entspricht, der setzt sich dem Verdacht aus, er sei moralisch

defekt, eine anrüchige Person.

 

Politische Korrektheit hört sich auch nach etwas anderem

an: politischer Konflikt. Politischer Konflikt – zwischen

wem? Seit Max Weber kennen wir den Unterschied

zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Kurz auf

den Punkt gebracht meinte er folgendes: wenn einer um

Theorien streitet, also darum, ob sie – seiner Meinung nach

richtig sind – gehört er zu den Gesinnungsethikern. Wenn

einer aber um Handlungen streitet, also darum, ob sie –

seiner Meinung nach richtig sind – gehört er zu den

Verantwortungsethikern.

 

Politische Korrektheit ist demnach ein Kampfbegriff der

Gesinnungsethiker. Es geht ihnen darum, um Theorien zu

streiten; sie wollen nur anerkennen, was sie für korrekt,

also für zulässig halten.

 

Zulässigkeit ist ein Begriff aus dem Verfahrensrecht und

meint, dass sich eine Behörde oder ein Gericht mit einer

Sache oder einem Anliegen nur dann beschäftigen muss,

wenn sachliche Kriterien, die im Verfahrensrecht vorge-

sehen sind, eingehalten worden sind. Oder einfacher:

Man wendet sich an eine Behörde oder an ein Gericht und

das interessiert sich nicht dafür, ob das, was man vorbringt

richtig oder falsch ist, sondern, ob es den Kriterien der

Behörde oder des Gerichts entspricht, nach der man etwas

vorzubringen hat. Es geht also darum, ob man sein Anliegen

korrekt vorbringt.

 

Ein Verantwortungsethiker hätte mit Formalitäten weniger

Probleme. Er würde danach schauen, ob die Sache, um die

es ginge, richtig oder falsch wäre.

 

Diese Einstellung zeigt aber auch, dass es Gesinnungs-

ethikern darum geht, sich als Behörde oder als Gericht

aufzuspielen. Vielleicht meinen sie tatsächlich, sie seien

geborene Richter und jeder habe sich ihrer Prüfung und

ihren Richterspruch zu unterwerfen?

 

Somit wird auch klar, dass, wenn jemand diese Einstellung

hat, er Personen, die anderer Meinung sind, als moralisch

anrüchig betrachtet und sie als Außenseiter der Gesellschaft

behandelt. Einer Gesellschaft in der er den Mittelpunkt

bildet.

 

Die Gesinnungsethiker halten sich für die Perle der

Gesellschaft, und die Verantwortungsethiker sind ihnen

billiges Plastik, das sie mühelos zu überstrahlen im Stande

sind. Und da soll politische Korrektheit kein Kampfbegriff

sein! Er ist es. Er ist ein Unwort, das nach einer brennenden

Lunte riecht, die zu einer Bombe führt. Und diese Bombe

droht die Gesellschaft zu zerreißen. Nach Max Weber sind

Gesinnungs- und Verantwortungsethik nur zwei Extreme,

die es zu vereinen gilt. Der Ausgleich zwischen ihnen hält

die Gesellschaft zusammen. Eine Übergewichtung eines

ihrer beiden Seiten führt zu ihrem Bruch und ihrem Unter-

gang.

 

Es wird Zeit, diese Lunte zu löschen.

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