Kostenfreies Parken

(he) Vielleicht kennen Sie das auch. Da haben Sie einen Termin in der Stadt und planen einen kleinen Gang durch die Stadt, nachdem die Pflicht erfüllt wurde. Gestern ging es mir so in Lüneburg. Jene Stadt die sich als Kaufhaus verkauft, da da Innenstadt wirklich schön ist und vielen kleinen bunten Geschäften eine Heimat bietet. Geschichtlich interessant ist die alte Salzstadt ohnehin. Kein Wunder dass das Städtchen gern von ausserhalb besucht wird. Hamburger, Schweriner aber auch Münchner, Österreicher, Dänen sind hier gern zu Gast.

Meist allerdings als Tagestourist. Hinzu kommen die täglichen Pendler, die die Termine in der Stadt haben, Arztgänger und viele andere. Lüneburg, eine schöne, abwechslungsreiche Stadt.

Leider verkennt Lüneburg immer öfter ihr Problem. Zu gern zeigt man sich als Fahrradstadt. Aber Pendler fahren ungern 40, 50 km pro Strecke am Tag mit dem Rad. Und der öffentliche Nahverkehr ist keine städtische Buslinie, somit sind 10 Minuten Takte ausgeschlossen. Was bleibt? Das Auto zu benutzen…

Lüneburg besitzt einige größere kostenfreie Parkplatzbereiche. Doch nur einen davon in Innenstadtnähe. 5 bis 10 Minuten Fußweg nähme man gern in Kauf, wenn dieser nicht ab 9 gnadenlos zugeparkt wäre. Selbst die Parkverbortsstellen sind restlos zugeparkt. Obwohl in der Nähe sich ein (kostenpflichtiger) Parkplatz für Wohnmobile befindet, drängeln sich auch diese auf den kostenfreien Parkplätzen und städtische Fahrzeuge sowie Bauwagen und Anhänger schliessen das Bild ab. Vor dem Parkplatz zeigt der elektrische Wegweise aber freudig an, dass noch Parkplätze auf diesem Terrain zu bekommen seien. Man fragt sich bei der Suche nur wo.

So fuhr ich gestern etwa  eine Stunde dort herum und sah Touristen und Einheimische deren Wunsch sich mit meinem glich: einen kostenfreien Stellplatz – um nur mal schnell in die Stadt zu gehen. Danach gab ich auf, und lenkte mein Fahrzeug in eines der Parkhäuser der Stadt. Auf der Strecke überlegte ich:

Wieso bemüht sich Lüneburg um die Radfahrer? Offiziell spielt da bestimmt der Umweltgedanke die Hauptrolle. Aber wenn jeder Parkplatzsucher eine Stunde umherfährt, welche zusätzliche Umweltbelastung entsteht dann?

Da die Innenstadt für Fahrzeuge gesperrt ist, müsste dann nicht die Stadt dafür sorgen, dass man sein Geld in den kleinen Läden lässt und das erstandene Gut auf kürzesten Wege zum Fahrzeug bringen kann? Wenn ich aber nun das Geld in den Parkhäusern lasse, macht dann nicht jedes Ladengeschäft miese?

Wie lange lassen sich dies die Pendler gefallen, wenn sie täglich mit 10 und mehr Euros das Parkhaus finanzieren, nur damit sie arbeiten gehen können?

Wenn sich diese Entwicklung zuspitzt, dann wird Lüneburg bald die umweltfreundlichste Stadt sein. Denn wenn Touris ihr Geld in Parkhäusern oder Parkverbot ausgeben, kommen sie seltener wieder und lassen noch weniger Geld in den Cafes, den Boutiquen. Somit kann der Pendler seine Parkgebühr nicht mehr zahlen, was sich gut ergänzt, da der Inhaber den Angestellten auch nicht mehr bezahlen kann. Irgendwann steigt diese Spirale und Lüneburgs Innenstadt ist leer. Auto- und Menschenleer. Aber dafür umweltbewusst und fahrradfreundlich!

Mir ist bewußt, dass es in vielen Städten das gleiche oder ähnliche Probleme gibt, deshalb sollten sich die Kommunalpolitiker überlegen, wie man dem Pendler und Kurzbesucher helfen kann. Es gibt, gerade in Lüneburg, noch viele Freiflächen, die geöffnet werden könnten. Zumindest zeitweise, solange sich auf den Wiesen und Sandanlagen keine Veranstaltungen einfinden. Statt nur Parktickets zu verteilen, könnten die Beauftragten auch einmal schauen, wer unnötig Parkplätze einnimmt. Motorräder brauchen keinen kompletten Stellplatz und städtische Fahrzeuge finden bestimmt andere Stellplätze.

Es wäre viel zu tun – gerade für die Autofahrer. Sonst sollte sich Bund, Land und Kommune mal überlegen, wie es ohne Pkws wäre – Stichworte: Steuern, Versicherungen, Werkstätten und nicht zu letzt: Parkhäuser.

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One comment on “Kostenfreies Parken
  1. Es ist eigentlich überall dasselbe, mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt. „Straßenrückbau“, hässliche Blumenkübel, Tempo-30-Zonen, alle Macht den Radfahrern (verkehrtrum durch die Einbahnstraße), mangelhaftes Parkangebot, überteuerte und schlechte Parkhäuser. Ein mir bekannter Einzelhändler hat es schön formuliert: „Verkehrsberuhigung in der Stadt ist immer auch Geschäftsberuhigung“. Einzelhändler geben auf wegen hoher pacht und zuwenig Umsatz. Was dann kommt, kennt amn aus so ziemlich jeder Fußgängerzonenhölle: Douglas, Juwelier Christ, McDonalds, Nordsee, Starbucks und haufenweise „Laden-zu-vermieten“-Schilder. Nicht nur in den Städten grassiert diese Politik, auch in den kleineren Gemeinden: Überall entstehen wunderbar verkehrsberuhigte Fußgängerzonen mit Bürgersteigen, so breit wie in New York…aber mit total toter Hose. Was mich betrifft: Wenn’s irgendwie geht betelle ich alles im Internet. Erspart mir Sprit und endlosen Ärger.

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