Wie ich nach Deutschland kam – ein Migrant berichtet

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Ein Beitrag aus dem Pruzzenblog – veröffentlicht am 21.Juli 2010

Man hat es schon schwer. In der BRD als Ex-Ausländer zu leben. Sozusagen als Bürger mit Migrationshintergrund.
Als ich damals in die Bundesrepublik kam, hat mich niemand gefragt, ob ich will. Dabei war ich schon fast 18 Jahre alt – aber ich wurde von Übermächten gezwungen.

Doch der Reihe nach:
Mit Geldgeschenken wurde ich nach Berlin gelockt, um dann kostenfreien Kaffee und Bananen zu geniessen. So etwas gab es noch nie! Kostenfreie Lebensmittel – ein wahres Paradies! Andere Leidensbrüder standen ebenso vor der Lebensmittelausgabe und staunten nicht zu letzt Lego-Bauklötzer. Nachdem wir alle gestärkt waren durften wir uns die deutsche Freiheit anschauen. Neben riesigen Einkaufszentren gab es auch Pornokinos und – nicht zu übersehen, die BILD Zeitung, für alle die lesen konnten. Doch auch Kindl und Schultheiss gab es in Berlin zum Überfluss. Soviel, dass so mancher Inländer davon kotzen musste! Aber leider gab es Bier, Bild  und Porno kucken nicht umsonst. Da mussten wir an unser schwer verdientes erstandenes, na gut, geschenktes Geld.
Da war man schnell so einige DMchen los. Doch es hat sich gelohnt. Freiheit (Bild lesen, Sexfilme im Kino schauen), Licht (Reklameschilder) und … ja und?
Endlich kam ich darauf: Ich bin kein Einheimischer, kein Inländer. Um nicht aufzufallen musste ich mich anpassen. Das Wort integrieren war damals noch etwas für Professoren, den Begriff Migrant kannte damals kein Busfahrer.
Apropos Bus. Um also den ersten Schritt zu machen und weniger aufzufallen, kaufte ich mir eine Touri-Tageskarte der BVG. Was für ein Fehler, stellte ich Jahre später fest. Der wirkliche Inländer fährt ohne Fahrkarte! Aber das wusste ich damals ja nicht. Mit dem Bus ging es in die Klamottenläden. Schliesslich bin ich nur mit dem was ich auf dem Leib trug nach Berlin gekommen – und einer Packung Zigaretten. Hätte ich mal mehr Zigaretten eingeschmuggelt, denke ich heute. Ich wäre reich! Also hin zu den “und-Läden”: C&A, H&M, Burger&King. Neu eingekleidet und gut gesättigt ging es zurück auf die Straße mit der Überlegung: Bleibst du hier – oder kehrst du um, zurück in die Heimat. Mit der Bild und echten Jeans, wärst du der King zu hause!

Doch ich entschied mich vorerst zu bleiben. Schaute mir die Großstadt Berlin bei Nacht an, lag auf so mancher Parkbank und in so mancher U-Bahn (wenn man sich da nicht festhält, wenn sie losfährt, dann liegst schneller da, als erwünscht!) Doch dabei lernte ich die unterschiedlichsten Facetten der Deutschen kennen. Und ich schaute sie mir aus, die Anzugträger, die Jeansträger und die Austräger.
Austräger schien ein cooler Job zu sein. Immerhin lachten die Jungs den ganzen Tag, wenn sie ihre Zeitungen austrugen. Dass das Lachen oft aus der Spritze Konserve kam, wusste ich damals noch nicht. Die Jeans- waren auch oft Bartträger. Redeten entweder von Marx oder von Goldwings. Manchmal auch von beidem, das verstand ich nicht. Überhaupt hatte ich Sprachprobleme. Obwohl ich davon ausging, dem deutschen mächtig zu sein, redeten die Leute irgendwie Kauderwelsch hoch 3. Von Mänegements war die Rede bei den Anzüglern. Erst dachte ich, dass wären Kaugummis für Zirkustiere. Aber so fein im Zirkus? Da konnte etwas nicht stimmen. Auch sprachen manche von Händies, dabei waren diese zumeist am Auto angebunden. Aber telefonieren konnte man damit. Dabei hatten die Autos kein Kabel raushängen. Eben! Berlin war schon immer eine verrückte Welt. Das wusste ich aus Geschichtsbüchern!

<|  Falscher Fuffziger

Irgendwann zog es mich dann doch in meine Heimat zurück. Jedoch nicht für lange. Denn mein damaliger Arbeitgeber bekam einen langen Namen, der später wieder verkürzt wurde. Typisch Deutsche! Aus NVA wurde Nationale Volksarmee / Bundeswehrkommando (Ost). Da dies aber auf keine Visitenkarte passte, wurde daraus wenige Monate später klar und einfach Bundeswehr! Und von dieser wurde ich in die weite Welt, also in die Ursprungs-BRD geschickt.
Da musste ich mich einfach anpassen. Die Sprache lernen – zumindest versuchen zu verstehen. Und doch, ich bin nicht voll integriert. Ich trage immer noch keine Wrangler, fahre keinen Porsche und kaufe im Penny (eine Art HO nur größer). Manchmal auch im REWE, da gibt es Treuemarken, wie damals im Konsum mit den Konsummarken… Alte Heimatgefühle kommen da auf.

Irgendwie bin ich also noch heute Migrant, trotz Anpassung. Trotzdem, ich versuche es weiterhin, ein BR-Deutscher zu werden. Spätestens wenn die Bahn wieder Reichsbahn heißt, Merkels Bild in jedem Klassenzimmer hängt (statt Kreuze), Geld ohne Wert eingeführt (ach nee, haben wir ja schon, genannt Euro, statt Mark)  und ein Anti-uneuropäischer Schutzwall, kurz auch Mauer, rund um Europa aufgebaut wird. Dann, ja dann bin ich meine Ausländerfesseln los.

One thought on “Wie ich nach Deutschland kam – ein Migrant berichtet”

  1. Trotzdem, ich versuche es weiterhin, ein BR-Deutscher zu werden.

    Ich nicht! Schon lange nicht mehr. Ich bin Preuße … soviel habe ich mittlerweile begriffen. Nicht durch irgendwelche juristischen Verrenkungen, sondern durch die Erfahrung an deren Empfinden ich mich gebunden erlebe. Seit JAHRZEHNTEN!!! Und die hat absolut nichts mehr mit der Erfahrung der Leute zu tun unter denen ich … WOHNE, nicht LEBE!!

    Aber ich bin allein. Warum? Weil es sonst niemanden gibt, dem bei Nachrichten wie diesen…

    http://www.mmnews.de/index.php/politik/15253-eu-verbietet-schlesischen-streuselkuchen-in-deutschland

    … das Blut in den Adern zu kochen beginnt? Oder weil ich niemanden kenne, dem es ähnlich geht?? Nun, nehmen wir einfach mal an Letzteres wäre der Fall … dann wäre es umso wichtiger seine Gefühle, die Erfahrung(en), die man tatsächlich empfindet NICHT für sich zu behalten, sondern sie auf Plattformen wie dieser hier auszudrücken, damit andere, denen es vielleicht ähnlich geht ihre eigene Erfahrung mit der, die ihnen hier als mein Kommentar begegnet, abzugleichen. Und selbst zu entscheiden, an das Empfinden welcher Erfahrungen sie eigentlich gebunden sind.

    Und falls sie zu dem Schluß kommen sollten, daß sie an das Empfinden ähnlicher Erfahrungen gebunden sind, dann kommen sie vielleicht auch noch an den Punkt, an dem ich heute bin, wenn ich sage resp. schreibe: Ich bin Preuße. Kein Deutscher. Und ich will meinen Staat und mein Land zurück. Und ich werde so lange dafür kämpfen wie der liebe Gott mich auf dieser Erde atmen läßt. Wichtig in diesem Zusammenhang sind beispielsweise Informationen wie diese:

    http://freewomanontheland.wordpress.com/2013/08/31/4387/

    Weitere Überlegungen zum Thema hier:

    http://freewomanontheland.wordpress.com/2013/08/20/freistaat-preusen-souveraner-staat-oder-nicht/

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