Ohne Moos nix los!


Die DDR war ihrer Zeit voraus

(he) Alle Jahre wieder, kommen die Diskussionen wieder: das alljährliche Ost/West-Debakel. Meist nimmt die Diskussion ihren Anfang bei Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit. Neu seit Trittin eben auch Flaschensammeln und Büchsenwerfen.  Nur wenige Minuten später kommt der Vorwurf des Sozialismus heraufbeschworen. Meist von jemanden der irgendwann einmal 20DM-Eintritt bezahlt hat, in einer Discothek stand und sich mit 52Pfennig Bier die Ossis zum gut Freund erkor. Der Sozialismus hatte ja nichts zu bieten, den Ossis, die an seiner Spende hingen, waren ja alle so arm, lebten in halbzerbombten Häusern und hatten nichts zu essen, nicht einmal Bananen.

Und dann noch die Mauer, die auch gern mal ein Eisenzaun war. Ein typisches sozialistisches Ding. Da braucht man dem ehemaligen Discosponsoren nicht damit zu kommen, die Amis haben auch einen Zaun – gen Mexico. „USA-Bashing!“ Und es ist ja etwas anderes, Leute draussen zu halten als Leute drinnen zu halten. Und Korea – so die Antwort – ist wegen dem Sozialismus immer noch geteilt. Und der sozialistische Diktator, so schreibt die Bild, ist irgendwie sowieso irre. Ein Einwand, dass durch den Zerfall der sozialistischen Sowjetrepubliken mehr Grenzen als Freiheiten erschaffen wurden, zählt nicht. Bloß nicht, denn schliesslich hat jetzt ja der DDR, ‚tschuldigung, der Ex-DDR-Bürger nun Reisefreiheit. Zumindest, wenn er genug Pfandgeld aufgesammelt hat, um das 44 Euro plus Steuern Ticket nach Malle zu kaufen. Einigkeit macht halt auch auf Inseln stark! Wenn er es natürlich für Ersatzsteuern wie die GEZ verplempert – selbst Schuld! Zumal diese Sender statt den schwarzen Kanal uns mit dem Musikantenstadl beglücken. Allein hieran sieht man den goldenen Westen. Nicht nur DDR 1 und DDR 2 im Fernsehen. Nein! Gut 20 staatliche Sender prasseln auf unsere Hirne ein.

Doch wer denkt, bei Reise- und Medienfreiheiten ist das Ende der Diskussion erreicht, der täuscht sich. Genau, die Bananen fehlen, die schlechte Infrastruktur, die schlechte Technik. Und so palavert man sich auseinander. Immer weiter.

Sieht man diese Diskussion von der Ferne kann man nur mit dem Kopf schütteln. So schrieb ich in einem Diskussionsstrang einer deutsch-deutschen Sozialismus/Kapitalismus; also Brötchen/Bananen-Debatte:

64JahreDDR Irgendwie redet ihr von verschiedenen Welten: In meinem Konsum gab es Negerküsse, Apfelsinen (wenn auch nur kubanische). Beim Bäcker Brötchen. Und man glaubt es kaum, vor meinem Wohnhaus gab es Fußgängerwege und eine Straße. Auf letzterer standen und fuhren Autos. Merkt ihr nicht, wie – mit Verlaub – Eure Diskussion ist? Aber hebt ruhig weiter den Fehdehandschuh, schlagt Euch und überseht dabei, dass wir für die Zukunft eine Lösung für uns, fürs Volk finden müssen. Gute Nacht Deutschland, solang es um Systeme, CDUAfDLinke-Gedöns, um Posten und Bananen geht. Verewigt Euch bei den Grünen, die sind innen rot, wie SPD und CDU und haben für Bananen viel übrig – die Affen müssen gefüttert werden …

Das schlimme an diesen Debatten ist, das sich das deutsche Volk, sollte es eines geben, immer in einer Art Neiddebatte gefangen bleibt. Das der „Aufschwung Ost“ Strassenbau auch für den Westen genutzt wurde, dass der Solibeitrag von jedem gezahlt wurde und wird, wird gern zerredet. Von Halbschlauen, meist ehemaligen 52Pfennig Bier Spendern, die nicht verstehen, dass eine Fahrkarte nur 20 Pf gekostet hat, da ein Lehrling zum Beispiel nur 120 Mark verdienen konnte. Vielleicht war die DDR ihrer Zeit voraus. Und ich weiss, dies hier so zu formulieren, ist ein Ding für sich. Aber Schelte erkenne ich erst an, wenn man den Gedanken weiter verfolgt:

Kraftstoffe so teuer wie nur möglich, war zwar in der DDR kein Wille – doch Benzin war teuer. Autos waren teuer, deshalb nutzten viele den günstigen, gut ausgebauten Nahverkehr von der Deutschen Reichsbahn und den städtischen Unternehmen. Ist das nicht ein Grundgedanke der Grünen?

Kirche und Staat waren getrennt, Gewerkschaften stark und Arbeitnehmer hatten weitreichende Rechte, zumindest in den Firmen von privaten Investoren. Träumt davon nicht die SPD?

Kubaner, Vietnamesen, Russen, Polen und Afrikaner studierten und arbeiteten in der DDR und konnten ohne größere Probleme ihren mitgebrachten Glauben ausüben. Träumt davon nicht die CDU?

Der Warschauer Vertrag beinhaltete die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Mitgliedsstaaten. Jeder Staat produzierte für den anderen mit, auf dass alle Staaten versuchen konnten, eine ökonomisches Gleichgewicht zu schaffen. Träumt davon nicht die AfD?

Und überhaupt, die Gaststudenten, Gastarbeiter fuhren nach dem Studium wieder in ihre Länder – träumen davon nicht NPD, Pro und so weiter?

Und die soziale Absicherung der Bürger, passt gut zur Linken von heute.

 

Deutsche aller LänderDennoch ist der überzeugte BILDleser und Facebooknutzer im Jahre 2013 der Meinung ohne Bananen ist kein Staat zu machen. Deshalb ist dieser Beitrag nicht als Pro-DDR zu verstehen. Denn diese Art der Diskussion hat nur eines im Sinn: Nebenkriegsschauplätze zu erschaffen, damit der Blick auf die wirklichen Probleme versperrt wird. Wer meint mit solchen Zeitfresserdebatten die Zukunft entwickeln zu können, hat den Begriff Fortschritt nicht verstanden und ist dort, wo die Nazischreier und rechter Arm Hochhalter heute noch sind. In irgendeiner vergangenen Epoche. Damit ist keine Zukunft zu machen.

Statt aus eben solchen vergangenen Werten zu lernen, eine Zukunftsparole daraus zu entwickeln, werden sich die Köpfe, wenn auch nur virtuell, eingeschlagen. Vielleicht ist ein Systemmischmasch das eigentlich Wahre? Denn die Freiheit wird heute ebenso unterdrückt, wie ehedem. Auch die Geheimdienste sind weiter munter unterwegs. Demokratie nur bis zu einem gewissen Maße verwirklicht. Fragen der Vergangenheit nicht gelöst. Wo war noch einmal der Unterschied zwischen der Ex-BRD und der Ex-DDR?

Vielleicht nur beim Bierpreis, den Transitstrecken und den Bananen?

Zwischen dem Tag der Einheit und dem 07. Oktober sollten wir also nicht über die DBRD diskutieren, die heute Einzug erhält. Die Demokratische Bundesrepublik Deutschland, mit Merkel als Vorsitzende des Zentralkomitees der Blockparteien, der Nationalen Front von SPD, Grüne, CDU, FDP, AfD, FDP und anderen Kleinstparteien, wird demnächst nur noch ein Bundesland der VEU, der Vereinigten Europäischen Union, sein. Welche Blockpartei uns dann undemokratisch vorsagt, was wir zu tun haben, ist noch ungewiss. Gewiss ist aber, dass es dann die Ost/West Debatte weiterhin gibt und eine Nord/Süd Debatte hinzukommt.

So wie sich damals die BRD um ihre Brüder und Schwestern in der DDR sorgte, so sorgen sich Schäuble und Lucke um Griechenland, Westerwelle um den Sudan. So gesehen hat sich nichts verändert, denn alle denken an irgendwen – nur keiner denkt an uns. Und wenn jemand an uns denkt, an jene die mit oder ohne Marschall-Plan groß wurden, überhören wir diesen zu gern, weil wir zu laut um rechts und links, um Ost und West diskutieren. Diese Diskussionen werden uns weiterhin so ereifern, dass wir nicht mitbekommen, wenn die große Kuppel von Parteiendiktat und Lobbyismus uns übergestülpt wird. Eine Art „Under the Dome“ mit dem Gefasel von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – ganz ohne Einigkeit, Recht und Freiheit. Erst Generationen nach uns haben dann die kleine Chance dazu, wieder Auferstand aus Ruinen zu singen.

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7 comments on “Die DDR war ihrer Zeit voraus
  1. Zumindest, wenn er genug Pfandgeld aufgesammelt hat, um das 44 Euro plus Steuern Ticket nach Malle zu kaufen.

    44 Euro plus Steuern? Boah. Ich glaub, ich muß mir auch mal so ’n Ticket besorgen. Ich bin nämlich noch in diesem sagenhaften ‚Malle‘ gewesen. Jetzt gehör ich wohl nicht mehr dazu…? 😥

    Wo war noch einmal der Unterschied zwischen der Ex-BRD und der Ex-DDR?

    Vielleicht nur beim Bierpreis, den Transitstrecken und den Bananen?

    Na ja, möglicherweise lag er auch darin, daß SIE (der Blogger) jetzt diesen Artikel – so, wie SIE das wollen (hoffe ich zumindest für SIE) – auf ihrem eigenen Blog schreiben. Ich glaube kaum, daß die DDR Ihnen das gestattet hätte, oder??

    … dass wir nicht mitbekommen, wenn die große Kuppel von Parteiendiktat und Lobbyismus uns übergestülpt wird. Eine Art “Under the Dome” mit dem Gefasel von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit…

    Was heißt hier … wird uns übergestülpt… – ist sie das nicht längst?

  2. Hagen, auch wenn Du im Text wichtige und richtige Dinge ansprichst, schießt Du doch sehr weit daneben! Allein die provokante Überschrift „Die DDR war ihrer Zeit voraus“ und dazu dieses Kotzbild lassen die Emotionen doch wieder hochkochen! Und was heißt hier „voraus“? Die ehemals tatsächlich bessere Bundesrepublik, die ich nach zwei Jahren politischer Haft in der DDR ab ’74 bis zur sog. Wende kennenlernen durfte, wurde nach dieser in den roten Einheitsdreck getreten! Es gab einen Rückschritt nach dem anderen, auf allen Gebieten, bis hin zum jetzigen Zustand, der DDR Version 2.0!
    Wir wissen doch alle, warum die DDR zusammenbrach bzw. zusammengebrochen wurde. Wer es noch nicht weiß, braucht sich nur die Nutznießer dieser Entwicklungen anschauen. Die DDR, so restriktiv und menschenverachtend sie auch war, sie war kein Freund Israels, im Gegenteil. Deshalb und nur deshalb wurde sie abgeschafft! Aber man nahm sich ganz gezielt beim Niederreißen ganz Deutschlands die Kräfte zur Hilfe, die sich den Zionisten andienten. Und obwohl die alte Mauermörderpartei heute ziemlich allein gegen den Zionismus zu stehen scheint, sehe ich persönlich das nur als Ablenkungsmaßnahme. Wie man sich zur Beantwortung vieler Fragen im Zusammenhang mit den gegenwärtigen globalen Entwicklungen nur die Nutznießer anschauen braucht, so muß man eben auch bei der Suche nach einer Lösung sich die tatsächlichen Feinde der Zionisten anschauen!
    Alles andere ist zeitraubendes Stückwerk und artet immer viel zu schnell in Rabulistik aus. Und wem allein die nützt, wissen wir doch auch alle!

  3. Die DDR, so restriktiv und menschenverachtend sie auch war, sie war kein Freund Israels, im Gegenteil. Deshalb und nur deshalb wurde sie abgeschafft!

    Das ist mir ein bischen arg knapp. Glaubst du wirklich die kleine DDR mit ihrer ‚antizionistischen Einstellung‘ kratzt diese Leute …

    http://thezog.wordpress.com/

    … auch nur von Ferne am Allerwertesten?? Nein, die DDR war der Satellit der UdSSR von Anfang an. Und als diese zwar noch gab, sie aber ideologisch und ökonomisch ihren Machtanspruch nicht mehr aufrechterhalten konnte … da war es auch nicht mehr möglich das ‚Volk der DDR‘ davon abzuhalten ‚rüberzumachen‘. Zumindest den Teil davon, der jung genug und ausgebildet war. Es sei denn die BRDler hätte die, die ‚rübermachen‘ wollten zusammengeschossen – und daß hat sich selbst die BRD nicht getraut (obwohl ich wenig Zweifel daran habe, daß sie es sich nicht heimlich gewünscht hat … in den Köpfen ihrer völkermördersichen Protagonisten wie dem ‚Rollguhl‘. Nein, es …. ging einfach nicht mehr. Die Differenz zwischen dem, was das ‚die Leute‘ wirklich empfanden und dem, was angeblich war, war so groß, daß sie durch nichts worüber die DDR 1989 verfügte, hätte gestopft werden können.

    Guck dir doch die heutige Situation an – der ‚braindrain‘ ist doch auch so schon riesig gewesen. Glaubst du da allen Ernstes, die DDR wäre zu einem eigenständigen Überleben ohne Anschluß an der BRD in der Lage gewesen??

  4. Ja, die DDR war ihrer Zeit voraus und zwar genau bis 1971. Das was Ulbricht aufbaute, verscherbelte der Saarländer Honecker in den Westen. Wohl kein DDR Betrieb, der nicht für den Westen arbeitete. Das DKK Scharfenstein ist das bekannteste Beispiel. Dass so was zu Mangelwirtschaft führt ist nur logisch. Du kannst einfach pro Tag nur eine Menge X produzieren. Verhöherkst Du die dann im Ausland, bleibt halt nichts für die heimische Bevölkerung.

    Profitiert haben davon die DDR Discogänger aus dem Westen, die dahein auf IKEA Sesseln saßen, die DDR Gefangene bauten, derweil im Kühlschrank Marke Privileg vom DDK Scharfenstein der kühle Schnaps stand, den Berenzten bei Schilkin Ostberin hatte brennen lassen und in der Deckenlampen umgelabelte NARVA Glühlampen waren die im Ostberliner BGW gefertigt wurden und sich auf dem Plattenteller Beatles Platten drehten, die bei AMIGA Babelsberg im Osten gepresst wurden.

    Also Leute glaubt mal fleißig weiter den Unsinn, den Euch Bild & Co. vermitteln. Die Realität war ganz ganz anders.

  5. … und sich auf dem Plattenteller Beatles Platten drehten, die bei AMIGA Babelsberg im Osten gepresst wurden.

    Am Ende waren die Beatles selbst etwa auch ein Produkt des … VEB Rockmusik Finsterwalde?? 😆

    Ja, die DDR war ihrer Zeit voraus und zwar genau bis 1971. Das was Ulbricht aufbaute, verscherbelte der Saarländer Honecker in den Westen.

    Soll das jetzt heißen, bei Ulbricht war alles noch supi … volle Läden, die Regale bogen sich vor Waren und die Leute kamen mit dem Komsumieren gar nicht mehr hinterher? Bis dann urplötzlich – warum eigentlich? – der gute Ulbricht entmachtet wurde, der Saarländer auf den Chefsessel kam und das vorher blühende Land auf Mangelwirtschaft durch Westexport umstellte??

  6. Sie werden lachen Sir Toby, aber unter Ulbricht waren die Regale wirklich voll und die DDR exportierte gar PKWs in den Westen.

    Dass Honecker Ulbrichts Erbe verscherbelte war spätestens Mitte der 70er jedem halbwegs denkenden DDR Bürger klar.

    Der Westexport hat Tatsache was mit Mangelwirtschaft zu tun. Jeder Betrieb dieser Welt kann pro Zeiteinheit nur eine bestimmte Menge X produzieren. Je mehr ich von dieser Menge exportiere, desto wenige habe ich im eigenen Land. Das ist einfach so!

    Wenn NVA Soldaten nördlich Berlins Erdbeeren pflücken mussten und diese direkt vom Feld über die GÜST Stolpe nach Berlin West gefahren wurden, dann fehlten zwangsläufig diese Erdbeeren im Kreis Oranienburg.

  7. Hier noch ein paar interessante Daten zur Ära Ulbricht:

    Von 1961 bis 1971 fanden jährlich auf dem Sachsenring Rennen zur Motorrad WM statt. Dort fuhren Honda Werksfahrer wie auch die Legende Giaovomo Agostini.

    1964 gewann Simson Suhl das härteste Moto Cross Rennen, die Six Days auf der Isle of Man.

    1966 fand die WM im Fallschirmspringen in Leipzig statt.

    1968 fand die WM im Motorkunstflug in Magdeburg statt.

    Nach Honeckers Machtantritt fand nichts mehr statt.

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