Ohne Moos nix los!


Leben wie bei Kohl, arbeiten wie bei Honecker?

(he) Heute ist Feiertag. Irgendwie. Und keiner feiert wirklich. Während jedes Land stolz seinen Nationalfeiertag begeht, ist es in der Bundesrepublik nahezu still um diesen Tag. Dies hat einige Gründe, die weniger im Volk als in der Regierungsweise zu finden sind. Denn eigentlich hätte man etwas zu feiern. Die friedliche Revolution – ein Kampf fast ohne Opfer, fast ohne Militärgewalt ist fast einmalig auf der Welt. Das zusammengehen zweier Staaten, obwohl die halbe Welt dagegen ist. Leistungen die ihresgleichen suchen!

Doch was soll gefeiert werden, an einem 03.10.? Der 9. November war der Tag der friedlichen Revolution in Mitteldeutschland. “Wir sind das Volk” stand vor “Wir sind ein Volk” bis zur freien Wahl. Anschließend verkaufte man die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik und stülpte ihnen ein neues System über. Man vergraulte den russischen Besatzer und fügte sich den westlichen Alliierten. Alle diese Punkte treffen aber nicht auf den 03.10. zu. Der 03. Oktober ist nur ein Tag. Ein Tag der gewählt wurde, weil es eben nicht der 09. November ist, der geschichtlich vorbelastet war.

Nun könnte man meinen, egal welcher Tag das ist, das deutsche Volk müsste sich doch freuen, endlich wieder ein Volk zu sein. Theoretisch ja, aber die Meinungspresse der neuen Republik differenzierten brav zwischen Ost und West, der Solizuschlag, unterschiedliche Bezahlung gaben einige Ansätze aus, die eben Ost und West nicht zusammenwachsen lassen. Noch heute ist in so einigen Köpfen der Ost-West Balken so fest eingebaut, dass immer noch wahlweise die Ossis, die Wessis schuld, dumm oder gar nicht lebensfähig sind. Auch die Politik arbeitete stetig daran, dass dies so bleibt! Schlimmer noch. Die Politik achtete wenig später gar nicht mehr auf sein Volk. Alle Augen sind auf Europa gerichtet. Plötzlich bauten Gastarbeiter den Nachkriegswesten auf, auch wenn dies, dank der überprüfbaren Jahreszahlen, nicht stimmen kann. Und der Osten hat sowieso alles falsch gemacht …

Wer sich jedoch mit dem Themas beschäftigt, kann stolz auf die Generation Mauerfall sein. Ich behaupte sogar stolz darf auch die Generation Mauerbau sein. Zum einen, weil sie Deutschland aufbaute. Teils ohne Kredit aus Amerika. Sie können stolz darauf sein, dass Europa im Frieden sich wieder aufbauen konnte und Deutschland, wenn auch geteilt, international Erfolge feiern konnte. In der Wirtschaft, im Sport, in Kultur und im Menschenrecht. All dies auf beiden Seiten, mit unterschiedlichen Mitteln. Die nächste Generation kann sich heute feiern lassen, dass trotz internationalen Interessenkonflikten Familien wieder vereint werden konnten, Grenzbäume zu Altholz wurden und eine weltweit anerkannte Armee abgeschafft wurde. Doch zu feiern hat man deshalb bis heute wenig. Viel mehr müssen Ost und West, Nord und Süd heute aufpassen, dass der deutsche Traum, eine friedliche Wiedervereinigung nicht an den Europaträumen der Regierungen platzt. Viel mehr muss man aufpassen, vor jenen Historikern die Zahlen verdrehen und falsche Schlussfolgerungen publizieren.

Und wir müssen vor jenen aufpassen, die immer noch trennen. Gerade heute kann man in den sozialen Netzwerken typische Äußerungen lesen, die West und Ost trennen. Zumeist sind es auch diese Leute, die keinen Fortschritt wollen, die die geschriebene und verdrehte Historie  ungefragt aufnehmen, wie ein Schwamm und damit prahlen. Zumeist waren eben jene nie auf den Straßen Deutschlands mit Plakaten oder Meinungen unterwegs und wollen doch alles besser wissen.

Leben wie bei Kohl, arbeiten wie bei Honecker? ist heute zu lesen. Ja! Warum nicht! Ich hatte eine 42 Stunden Woche und konnte mit dem monatlichen Endgeld gut leben. Wenn dazu die Reisefreiheit käme, sehr gern. Doch lieber wäre mir die Meinungsfreiheit, die Redefreiheit, die Freiheit ein freier Mensch zu sein. Das durfte ich weder bei Honecker noch bei Kohl. Übrigens auch nicht bei Merkel, die ja eine Verschmelzung beider Politiker irgendwie sein könnte.

Deshalb hat der Deutsche noch nicht zu feiern. Vielleicht hat er in wenigen Jahren, an einem anderen Tag – ob politisch vorbelastet oder nicht -, einen Grund zu feiern. Vielleicht kann er dann leben wie bei Kohl, arbeiten wie bei Honecker und frei sein. Ist doch eine schöne Vorstellung, oder?

Dennoch, sollte der Deutsche heute sich die Muße nehmen und den Tag begehen, in Andenken an die Zeit rund um den 9.11.1989 – mit allem Für und Wider! Der Tag der deutschen Einheit, wenn dieser kommt – in Kopf und Wirklichkeit.

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