Ohne Moos nix los!


Graswurzel und Wahlschlacht

(he) Die Alternative für Deutschland zeigt sich zur Wahl aggressiv. So redet man beim Auftakt zur Wahl gern von einem Graswurzelwahlkampf oder, wie im AfD-Video, in dem es auf youtube „live“ zur Sache geht, von einer Schlacht!

Das „blaue Wunder“, so einer der Wahlwerbungen, zeigt damit wirklich „Mut zur Wahrheit“, so ein anderer Spruch der AfD. Nein, keine Wahrheit darüber, für was man nun wirklich steht, sondern die Wahrheit, wie sich das Wahlkampfteam der selbsternannten Alternative sieht: die Ritter die die BRD vor den bösen Mächten beschützen. Im Notfall auch im Tennisclub. Auch darf man, im hier eingebetteten AfD-Video zweifelsfrei erkennen, wie volksnah sich die AfD gibt. Ihre „Nachrichtensendung“ auf youtube ähnelt doch sehr den „RTL2 – News“. Diese News; nein, ich möchte sie nicht Nachrichtensendung nennen; schaffte es ja auch im Juli die Tagesschau zu überholen.  Aus dieser Sicht, ein Gewinn für die AfD. Doch will die Professorenriege wirklich den gemeinen RTL2 – Zuschauer erreichen?

In einer Schlacht ist es egal, wer an vorderster Front kämpft. Erst recht wenn Zeitzeugen berichten:

Habe heute ein AfD-„Wahlkampfteam“ auf der Straße erlebt – Drückervisagen. Hätte mich nicht gewundert, wenn die erste Frage gewesen wäre „Sie sind doch auch gegen Kindesmißbrauch, oder?“

Spätestens dann befürchtet man, wenn die ersten Reihen fallen, rückt die nächste nach. Erinnert irgendwie an Schlachten hoch zu Ross, im Teuteburger Wald. Doch daher bezieht die AfD ihre Graswurzeltaktik keineswegs. Denn Graswurzelbewegung meint ursprünglich die Bürgerbewegung, wurde aber seit den 1968 von den roten Bünden benutzt.

Anfang der 1970er Jahre trat in Deutschland im Umfeld der Neuen Linken ein loses Netzwerk verschiedener Basisinitiativen auf, das sich als „Graswurzelbewegung“ bezeichnete. Später wurde „Graswurzelbewegung“ auch als generalisierende Bezeichnung für eine vom Anarchopazifismus beeinflusste Bewegung. (Wikipedia)

GraswurzelStichwort Graswurzelrevolution. Und diese gibt es sogar als Zeitschrift: http://www.graswurzel.net/

Nun heisst es abzuwarten, was die AfD sich noch zur heißen Wahlkampfphase einfallen lässt. Guerillas ohne Marketing?

Dennoch, die AfD erweist sich als „clever & smart“ – mit wenig Geld werden viele Menschen erreicht. Und diese zahlen bereitwillig dafür, wenn man sich die Verkaufszahlen des mp3-Liedes auf Amazon anschaut. Da könnte so manche andere Partei vor Neid erplatzen. Dennoch: Muss diese paramilitaristische Sprache sein? Prof. Dr. Lucke in Uniform? Wer will das?

Und, abschliessend, darf ich fragen: Wie passt linker, anarchistischer, pazifistischer Umgangston mit liberalem Rechenschieberdenken und einer Schlacht auf den Strassen unserer Republik zusammen?

 

PS: Gestern auf Facebook stand: „Die ‪#‎AfD‬ Hamburg läd am 17.08. zum großen Demo-Event ein.“ …  Demo-Event? Was ist das? Eine Demonstationsveranstaltung? Liebe AfD’ler Gradwurzel, LiveTV aus der Konserve und nun Demo-Event … ihr wollt wirklich den RTL2-Zuschauer erreichen, oder?

One comment on “Graswurzel und Wahlschlacht
  1. Graswurzelbewegung wäre ja eine Art Tea-Party, immerhin. Aber das ist die AfD nicht. Es existiert kein wirkliches Parteileben, keine offene Debatte, ja nicht einmal echte Positionen, die über die bloßen Sprücheverlautbarungen hinweg gehen. Wir sehen das ja in diesem peinlichen Video, über das der Spiegel schreibt: „Die eurokritische Alternative für Deutschland verbreitet neuerdings Wahlwerbung im Stil einer Nachrichtensendung. Eigentlich sollte das Vier-Minuten-Filmchen Warnhinweise enthalten. Denn es besteht akute Fremdschämgefahr. Was ist peinlicher? Der ins „Studio“ gebeamte Experte, der einer Kalkofe-Parodie gleicht? Das hektische EKG-Geräusch, das die „News“ über Schuldendramen und Euro-Apokalypse untermalt? Oder die Dame im Tennisoutfit, die samt Schläger und Ball vor einem modrigen Pool posiert? Die Krönung ist der offizielle AfD-Song, den ein Parteimitglied auf der Gitarre intoniert. Eine Kostprobe: „Wir geben nicht auf“ – Gitarrenschrammel – „Nein, wir geben nicht auf“ – Schrammel – „Wir geben nicht auf“ – nachdenklicher Blick – „Wir halten zusammen. Wir geben nicht auf. Die Rettung ist alternativ.“ Anhören auf eigene Gefahr.“

    Tatsächlich könnte man fast erwarten, dass bezahlte Drückerkolonnen Unterschriften oder Wählerstimmen generieren. Die eigene Kraft reicht ohnehin kaum aus, denn es sind lediglich jeweils fünf bis sieben Leute wirklich in jedem Kreis aktiv an den Ständen zu finden. Das macht etwa 2000 Aktive im ganzen Bundesgebiet. Schon lange werden keine neuen Jubelzahlen über angebliche Höchststände der Mitgliederzahl genannt. In NRW waren bei der Parteigründung noch 350 Stimmberechtigte (von damals angeblich knapp 2000 Mitgliedern), vier Wochen später in Schmallenberg waren es nur noch 250 Leute! Bei der Bezirksgründung Arnsberg, die ja räumlich nahe angelegt ist und ein Fünftel der NRW-Mitglieder umfasst, kamen ganze 54 Stimmberechtigte. Die Partei bläht sich im Internet auf, agiert in der Realität fast kampagnenunfähig. Die Wahrheit spiegelt sich doch wieder, wenn man sieht, dass sie nur in jedem 2. Wahlkreis einen Direktkandidaten aufstellen konnte. In meinem Heimatkreis hat sie alles durch Ressentiments und groteske Handlungen einer überalterten „Führung“ armselig zugrunde geritten.

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