Ohne Moos nix los!


Kopfgeld auf 90jährige

(he) Mit einer Plakataktion in mehreren Großstädten, wie Berlin, Hamburg und Köln wirbt das Simon-Wiesenthal-Zentrum um Hinweise auf Mittäter des Holocaust. Weil die bisherigen Bemühungen ernüchternd waren, versucht es das Zentrums nun mit einem Kopfgeld von 25 000 Euro. Die Plakataktion startet heute, insgesammt sollen 2000 Plakate geklebt werden.

Die vom Simon-Wiesenthal-Zentrum nun ausgesetzte Belohnung wird erfolgsabhängig gestaffelt: Sollte es aufgrund eines Hinweises zu einer Anklage gegen einen mutmaßlichen NS-Verbrecher kommen, erhält der Hinweisgeber 5000 Euro, nach einer Verurteilung noch einmal 5000 Euro. Außerdem zahle das Zentrum dem Tippgeber 100 Euro für jeden Tag, den der Täter in Haft sitzt. Und das auf die Dauer von 150 Tagen, sagte Zuroff dem Tagesspiegel.

Dabei spiele es wohl keine Rolle, ob der eines Verbrechens angeklagte Mensch 60 oder 100 Jahre alt ist. Rein rechnerisch müssen die Gesuchten bereits in der höheren Altersgeneration zu suchen sein. Dennoch ist das Wiesenthal-Zentrum voller Zuversicht. Neuen Aufschwung erhielten die Organsisatoren durch eine Neuauslegung des Rechts, wie der Tagesspiegel berichtet:

 

Die Suche nach Tätern, die als Wachleute in Vernichtungslagern zu Mittätern des Holocaust geworden waren, hat außerdem erst jetzt Aussicht auf Erfolg: Jahrzehntelang hat die deutsche Justiz gegen diese Täter nicht systematisch ermittelt. Sie wurden nur dann vor Gericht gestellt, wenn ihnen eine einzelne Tat, ein konkreter Mord, nachgewiesen werden konnte. Das änderte sich erst mit dem Urteil gegen John Demjanjuk, der früher Wachmann im NS-Vernichtungslager Sobibor gewesen war. Das Landgericht München verurteilte ihn im Mai 2011 wegen Beihilfe zum Mord zu fünf Jahren Haft. Zwar wurde das Urteil nicht rechtskräftig, weil Demjanjuk vor der Revision starb. Aber die Anklage gegen den Ex-Wachmann und das Münchner Urteil markierten einen Wendepunkt im Umgang der Justiz mit NS-Verbrechen.

So erscheint es nicht ausgeschlossen, dass die Nazijäger die nächsten Senioren vor Gericht bringen. Dabei spielt es kaum noch eine Rolle, in welcher Position, Alter die als Mittäter ausgemachten Personen waren oder sind. In Stuttgart sitzt zum Beispiel ein 93-jähriger in Haft, der früher Wachmann war.

Die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg hat zwei Jahre nach dem Demjanjuk-Urteil herausgefunden, dass heute noch 50 ehemalige Auschwitz-Wachleute in Deutschland leben und prüft, ob gegen sie noch ermittelt werden kann.

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One comment on “Kopfgeld auf 90jährige
  1. Ich bin ja mal gespannt, ob es irgendwann auch möglich wird, gegen alle Angehörigen der ehemaligen DDR Grenztruppen entsprechende verfahren einzuleiten. Und auch gegen alle Stasimitarbeiter. Immerhin waren diese Leute auch in Verbrechen involviert und egal in welcher Position sie waren, sie haben damit das System der DDR unterstützt und Verbrechen möglich gemacht.

    Oder man stelle sich vor, das heutige System der Bundesrepublik Deutschland zerbräche am Euro (bzw. an den Folgen der hemmungslosen Rettungsversuche). Ein neues politisches und Rechtssystem würde anschließend die gegenwärtige Politik und die von ihr geschaffenen Gesetze als verbrecherisch erklären, weil sie die Existenzgrundlage der zukünftigen Generationen zerstört hat. Dann wären alle diejenigen, die heute im guten Glauben, das Richtige zu tun, hundertprozentig auf dem Boden der Verfassung und der Gesetze stehend, plötzlich verfolgt und evtl. eingesperrt, so sie denn noch leben sollten.

    In einem Rechtsstaat sollte doch nach den Grundsätzen der freiheitlich demokratischen Grundordnung gehandelt werden. Dazu gehört aber auch die Anerkennung anderer politischer Systeme und Rechtsordnungen. Die muss man nicht akzeptieren, aber dennoch zur Kenntnis nehmen, dass in anderen Gegenden oder zu anderen Zeiten andere Vorstellungen von Recht und Ordnung herrsch(t)en.

    Eine Strafverfolgung ist m. E. nur dann gerechtfertigt, wenn der Beschuldigte zur Tatzeit gegen die dann geltenden Gesetze verstoßen hat. Das heutige Alter spielt dabei keine Rolle (Wer einen Mord begangen hat – und das wird wohl auch während des Dritten Reiches strafbar gewesen sein – soll auch wegen Mordes angeklagt und verurteilt werden). Alles andere würde doch dazu führen, dass bei jedem Systemwechsel viele Tausende Menschen, die für das vorangegangene System tätig waren, dafür abgeurteilt würden.

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