Knurren ohne Biss

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(he) Das Nachtprogramm im deutschen Fernsehen ist manchmal interessanter als erwartet. In dieser Woche war zum Beispiel Herr Prof. Dr. Bernd Lucke, Chef der AfD bei Dr. Friedmann, Rechtsanwalt, Ex-Chef des Zentralrates der Juden in Deutschland und Publizist, zu Gast. In der Nebenrolle ein Herr Michael Roth, ein EU-Politiker der SPD, von dem ich bisher wenig erfahren konnte. Ohne es vorwegzunehmen, nach der Sendung verriet mir der Name immer noch genauso viel.

Die Hauptpersonen jedoch waren mit Wortklauberei und Zähne zeigen beschäftigt, dass eine Sendungskritik durchaus angebracht ist. Nicht nur Friedmanns “Ich bin auch Wissenschaftler” zauberte dem Zuschauer ein Lächeln über die Lippen, auch seine Unterbrechungen und unfaire Verhaltensweise gegenüber seinem Hauptgast. Nun ist es vielleicht der Kürze der Sendung zu verschulden, dass Friedmann von Politikern kurze, klare Aussagen fordert. Und es ist vielleicht die Aufregung des AfD-Stars Lucke geschuldet, dass er den Sinn seiner aussagen entstellte, durch falsche Wortwahl. Am Ende der Sendung vergaloppierte sich Lucke sogar so sehr, dass er seine Parteiaussagen mit den von der CDU verwechselte. Erst mit dem Zurückhalten des Abspanns war ihm die Möglichkeit gegeben worden, seine Aussage zurecht zu rücken. Dies hätte N24 nicht machen müssen, die Redaktion von Friedmann zeigte sich aber hier fairer als der Altmeister des politischen Streites.

Dennoch, Friedmann war von sich selbst und der Schützenhilfe des unbekannten SPD-Mannes so überzeugt, dass man ihn fragen muss, ob er sich überhaupt vorbereitet hat. So wurde Luckes Aussage über das Angebot an die rechten Wähler, namentlich NPD-Sympathisanten, wieder hervorgeholt. Dies wurde vor Wochen ausführlich im Handelsblatt debattiert, so dass sogar der Chefredakteur hierzu Stellung nahm. Wäre nicht die Frage interessanter gewesen, warum die AfD gern Ex-Würdeträger der Republikaner aufnimmt? Oder warum die AfD Detleff Schilde, von den Volksdemokraten, in den Reihen hat, wäre aktueller gewesen, anstatt mit der Nazi-Keule irgendwo hinzuhauen. Das dies nicht bei der AfD und Lucke wirken kann, wissen wir spätestens seit “Hart aber Fair” (ARD). Es gab auch keine Frage nach den aktuellen Umfragen oder warum sich vermehrt die Austritte häufen.

FriedmannFriedmann hätte uns gut getan, wenn er sich sachlich mit der Partei und Lucke auseinandergesetzt hätte. Hierfür hätte er nicht nur im Netz genug gefunden, aber vielleicht ist ihm auch das Internet so Neuland wie Frau Merkel. Deshalb gibt es ja auch Bücher – zum einen das bekannte “Alternative für Deutschland oder Alternative gegen Deutschland” Buch aus der Schriftenreihe Schwarz/Weiss des Preußischen Anzeigers oder auch die unsachlichere Broschüre von Andreas Kemper “Rechte Eurorebellen: Alternative für Deutschland und Zivile Koalition e.V“. So aber war “Studio Friedmann” auf N24 ein Schlagabtausch, der allerdings anhand der Körpersprache viel verriet. Friedmann immer in Lauerstellung, der mit einem breiten Lächeln seine Zähne zeigte. Lucke wiederum, teilweise etwas überheblich, lächelte zurück und nahm die Nase hoch um über den Angreifer zu stehen. Beide also in einer gewissen Raubtierstellung, was den dritten im Bunde zur Stille, gar manchmal zur Fluchtreaktion, zwang. Zwei Alphatiere, so sagt man im NLP können sich ergänzen und vieles weitertragen. Doch das war von den Gladiatoren der Sendung gar nicht erwünscht.

So bleibt die Frage: Friedmann, N24, was wollte man erreichen? Eine Diskussion, eine sauber geführtes Streitgespräch, sieht anders aus und hört sich anders an! Das Fazit kann also nur lauten: Die AfD-Fans erfreuten sich über das Spiel im kleinen Studio, die CDUFDPSPDGRÜNE-Freunde wurden abgeschreckt auch nur an die sich selbst Alternative nennenden zu denken. Es bleibt also wie es wahr. Gut für Lucke, wurde er doch eingestimmt auf den kommenden Wahlkampf. Und er sollte gespürt haben, wie der Medienwind nun weht. Ob es dann helfen würde, den Medienprofi Dr. Adam in den Ring zu schicken, bleibt uns, als Zuschauer verborgen. Ob die AfD über solche Formate neue Freunde gewinnen kann, war hingegen offensichtlich. Wer Friedmann und die gesichtslose SPD-Statue nicht mag, gibt Lucke den Punkt. Der Rest ist verunsichert vom Knurren ohne Biss.

Wer das Schauspiel verpasst hat: Die Sendung ist in der Mediathek von N24 abrufbar.

 

4 thoughts on “Knurren ohne Biss”

  1. Nun ist es vielleicht der Kürze der Sendung zu verschulden, dass Friedmann von Politikern kurze, klare Aussagen fordert.

    Nein, ist es nicht. Stattdessen ist es der Tatsache geschuldet, daß Friedmann die meiste Zeit der Sendung für die eigene Selbstdarstellung benötigt – darüber müssen sich seine ‘Gäste’ von vornherein klar sein, damit sie nicht in die Versuchung kommen für die Darstellung IHRER Positionen die gleiche Zeit zu beanspruchen wie Friedmann sie für die Darstellung seiner Positionen benötigt.

    Darüberhinaus stellt sich Friedmann in diesem Fall ausnahmsweise bewußt auf die Seite des Neuen Testamentes, wenn er – sinngemäß – fordert Eure Rede sei “Ja, ja – Nein, nein … alles Weitere ist von Übel”, damit sein Gegenüber eben KEINE Möglichkeit hat seine Positionen dem Zuschauer gegenüber auch nur einigermaßen nachvollziehbar zu entwickeln. Daß dies dennoch hin und wieder gelingt … ist weder Friedmanns Schuld noch im mindesten seine Absicht.

  2. Soweit ich mich erinnere ist das Buch “Rechte Eurorebellen: Alternative für Deutschland und Zivile Koalition e.V“. gerade mal einen Monat nach Gründung der AfD erschienen; ich finde ein Monat ist zu kurz um sich ein Urteil über eine Partei zu erlauben und dann noch ein Buch darüber zu schreiben; alleinschon deshalb halte ich das Buch für unglaubwürdig.
    Meine Freunde vom “Orden der Patrioten” (http://tomorden.de.to) und ich jedenfalls werden die AfD auch während der Landtagswahlen unterstützen und auch wählen 🙂

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