War was?

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(he) Der 17. Juni. Der Tag des deutschen Volkes, war doch vor 60 Jahren an diesem Tage ein Volksaufstand, der bis heute seine Auswirkungen hat. Ebenso seine brutale unnachgiebige Niederschlagung.

 

Den deutschen Medien waren aber das Wetten dass…? – Debakel, eine Fernsehsonntagsanalyse inklusive der Abschiedsworte Buhrows (ARD) und der Ausblick auf Obamas heutigen Berlin Besuch wichtiger.

 

Wichtiger als die Qualen der Arbeiter, die nach Berthold Brecht ihre Regierung enttäuschten. Dabei kann sich ein Volk zwar oft die Regierung, aber die Regierung ihr Volk nicht aussuchen. Ein Leitsatz, den man von Berlin bis Ankara gern vergisst.

 

Als der Westen noch Westen war, zeigte man gern den 17. Juni auf: War er zum politischen Feiertag erkoren. Als der Osten zum Westen wurde, sah man sich genötigt diesen Tag zu revidieren. Aus Angst, das sich die Geschichte wiederholen könnte?

 

Nun sind Streiks in der BRD allgegenwärtig, aber richtet sich dieser doch meist nur an das Geld. Ausbeutung, falsche Staatsplanung? Fehlanzeige, da es die Ex-FDJlerin Merkel immer noch schafft, ihren Kurs als kapitalorientiert und sozial zu verkaufen. Und verkaufen kann sie gut – wie ihr Vorgänger, der Kohl: Mit einem Handstreich war Mitteldeutschland Ostdeutschland und Ostdeutschland festgezurrt im polnisch-russischen Machtgefüge. Obwohl es Angebote von russischer Seite her gab, lehnte man großzügig ab. Wie sollte man auch Frankreich ein Großdeutschland erklären?

 

Zu jener Zeit, als ein Teil des deutschen Volkes rief „Wir sind das Volk“ um dann umzuschwenken „Wir sind ein Volk“ , hinterliess man die Geschichte der Arbeiter Deutschlands. Der November war vorbelastet und der 17.Juni zu volksnah – bis heute. Deshalb darf zwar Gauck etwas erzählen, nur bitte nichts dazu sagen. Viel eher gibt es Floskeln, die nicht für das deutsche Volk, sondern für unsere gekauften Freunde, gesprochen wurden.

 

Der 17.Juni verliert somit Jahr für Jahr an Bedeutung. Bedeutung, die er durchaus verdient. Doch an Opfer wird in Deutschland ungern gedacht. Viel lieber sieht sich Deutschland in der Verliererrolle, labt sich an der endlosen Erbschuld, statt an jene zu denken, die für Deutschland, für ein besseres Leben aufstanden und kämpften.

 

Nur so erklärt sich die Zahnlosigkeit der SPD, die Austauschbarkeit der CDU. Nur so das Schrecken mit grüner Hülle und tiefrotem Inneren, deren Medienpräsenz sich lieber in der Türkei heulend fotografieren lässt, statt in Deutschland für Gerechtigkeit und Freiheit zu streiten.

 

Damit so etwas, wie in Nordafrika, wie in der Türkei, nicht passiert; damit das Volk nicht aufsteht – und jene aufstehenden als Spinner abwertet; wird der 17.Juni nur noch als Randspalte bedient. Warum sollte auch der Deutsche auf seine Vorfahren stolz sein?

3 thoughts on “War was?”

  1. Dabei kann sich ein Volk zwar oft die Regierung, aber die Regierung ihr Volk nicht aussuchen. Ein Leitsatz, den man von Berlin bis Ankara gern vergisst.

    Das ist definitv FALSCH! D.h. es mag zwar noch für die Türkei gelten, aber in der BRD – und natürlich den anderen ‘fortgeschrittenen Staaten der westlichen Wertegemeinschaft’ – gilt doch längst, daß das politische Establisment sich, aus welchen speziellen Gründen auch immer, bei entsprechendem Interesse eben ein neues Volk ‘erschafft’. Durch ‘Migration’. Und da das dadurch ausgelöschte Volk diesem Prozess (der eben seine Auslöschung bedeutet) im Wesentlichen gleichgültig gegenübersteht, zeigt sich: Politische Klassen erschaffen sich heute Völker nach ihren Vorstellungen.

  2. Sir Toby,
    es ist richtig, dass die Regierungen versuchen sich “ihr Volk” zu erschaffen. Ob durch Demütigung oder durch Aderlass, ob durch Zuwanderung oder Völkermord. Dennoch hat jedes Volk die Kraft sich dagegen zu wehren – denn nur die Regierung kann ein Volk enttäuschen, nicht umgekehrt.
    Das ein Volk aber die Regierung nicht ins Senfbeet scheucht, ist eine andere Geschichte, wenn auch eine traurige…

  3. Nun, Herr Ernst … ich hoffe – nicht nur für Sie, sondern selbstredend auch ein (klein wenig) für mich – , daß Sie mit ihrem Optimismus letztendlich Recht behalten mögen …

    Auch wenn mir der Glaube daran, nach all dem, was mir die letzten 5 1/2 Jahre Interneterfahrung (so Mitte 2007 habe ich erst die politischen Blogs im Internet entdeckt…) an Erkenntnissen beschert haben, zugegebenermaßen schwer fällt.

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