Musik ist keine Politik, oder doch?

(he) Es gab da heute ein Telefonat, das mich auf etwas aufmerksam machte, was so nicht unbedingt verkehrt zu verstehen ist und daraus entstand diese wahrlich willkürliche Geschichte:

Setzte man den politischen Gedanken doch einfach mal in eine andere Welt, neudeutsch Business, in ein anderes Level. Nämlich das der Musikbranche. Was würde passieren?

Die neue Band „Alternation“ bewirbt sich zum ESC, unser Lied für Deutschland. Dann würde eine Kommission (mit)entscheiden, ob diese neue Sangesgemeinschaft überhaupt in die Vorauswahl kommt. Durch ein geschicktes Medienauftreten kann aber mit Unterstützung vom „Metal Beil“ und „Foto“ genau dies erreicht werden. Der Chor darf sich dem Millionenpublikum stellen und das Volk gibt einige Cents pro Anruf aus damit eben jene eine Runde weiterkommt. Manche dieser Anrufer zielen aber auch nur auf das Auto ab, dass sie dabei gewinnen können. Die melodischen Leistungen spielen, wenn überhaupt, nur eine Nebenrolle. Und unsere Helden schaffen es, der Sänger wird umjubelt und erreicht ständig fast 100% Aufmerksamkeit in seinen Reihen. Die Fans der Band hängen an seinen Lippen, die  Verlage buhlen um ein Exklusivfoto und die CD-Vermarktung. Hinzu kommen DVDs und große Interviews, längst nicht nur in den bunten Szenezeitungen.

Die anberaumte Tour durch Deutschland wird vergrößert, bunte Luftballons und andere Effekte genau abgestimmt auf das Publikum – die Welle rollt. Immer mehr Musikhörer werden auf den großen Chor aufmerksam, eine ganze Sympathiewelle überrascht die neuen Bühnenstars. Goldene Platten werden am laufenden Band überreicht, die Eintrittskarten, sorry Tickets, der Veranstaltungen auf EBay zum überteuerten Specialpreis weitergereicht. Es ist geboren um zu bleiben: ein neuer Musikstil erobert die musikalische Kleinwelt Deutschlands mit den Worten: „Wir singen nur auf german!“ Der Nebensatz fällt bei Applaus unter die Bühne, dabei sagt der Sänger nur, was die anderen hören wollen. Die anderen, sind jene die seine Musik nicht hören, nicht verstehen wollen: „ausser wir sind im Ausland, da singen wir dann europäisch oder philippinisch. Wir wollen ja keinen enttäuschen.“ Doch die die das noch vernehmen, haben längst ihre Verkaufsschlagzeile geschafft: „Nur noch German auf der Bühne!“  Und die AlterNation-Freunde wollen auch nichts anderes lesen.

Wochen später folgt der Schock. Ausgerechnet das „Metal Beil“ berichtet von einem nordkoreanischen Auftritt: Alternation singt ungerman, singt portugiesisch und sagt den Koreanern sie sollten spanisch lernen, denn nur so würde es was werden mit der Einigkeit der Fangemeinde. Nur so hätten alle etwas davon. Und überhaupt sehe man sich als Weltband.

Ein wahrer Shitstorm erreicht die Medien. Keineswegs eine Kritik an die Weltgruppe – nur an die Berichterstatter. An die Boten. So wie damals, als den Boten und nicht den Verursachern von schlechten Nachrichten der Kopf abgeschlagen wurde. Die Band macht weiter. Wann immer es passt, kommt „Wir singen german, aber nicht überall. Wir sind weltpolitisch, wir singen im Einklang der Nordwelt.“ Letzteres mal leiser, mal lauter – je nach Publikum.

Andere Gruppen des Genres rücken seit der Gruppengründung von „Alternation“ ab. Viel mehr reagieren sie nervös, da einige gute Gitarristen in den neuen Massenchor abwandern. Denn hier stehen sie im Scheinwerferlicht und die Notenfolgen sind einfacher.

Endlich, die Endentscheidung rückt näher. Zahlreiche bezahlte Musikexperten wettern gegen Alternation – und sehen die Chancen bei der Telefonumfrage bei gut 3 oder 4 %. Fans der Band errechnen zum selben Zeitpunkt gute 20%. Vielleicht sogar eine Nennung in den besten drei.

Nun, es kommt wie es kommen musste: Durch die Kritiken waren die Anrufer verunsichert. Die anderen Interpreten sagten nur noch, wer nur auf deutsch singt ist rechtsradikal, neoliberal oder zerstöre den kompletten Musikmarkt, den Weltmusikmarkt, die Zivilisation und überhaupt. Doch mit Kritiken setzen sich weder Fans noch „Alternation“ auseinander. Nein, es wird weitergemacht, die Gitarrenriffe werden weicher und Kritiker des Konzertes verwiesen.

Hier trennt sich Politik und Musik:

Musik: Die anderen Gruppen wollen die Veranstaltung boykottieren, sollte „Alternation“ auftreten oder überhaupt genannt werden. Sie drangsalieren die Veranstalter so lange, bis sie ihre bisherigen selbstgestalteten Statuten und Plakate in den Müll werfen und sich der korrekten Minderheit unterwerfen.

Politik: Die anderen versuchen von links und rechts zu kontern, da das Stillschweigen nach hinten losging. Das wird solange getan, bis … Und die im Mittelpunkt stehende Menschenmenge? Sie verteufelt die Politik, die Kritiker und behauptet, ganz nach den schon da gewesenen Parteien, man hätte die Lösung und bräuchte nicht weiter nachdenken. Man wäre also die Alternative zur Alternativlosigkeit.

Und plötzlich vereinen Musik und Politik wieder:

Man spielt und singt nach den Noten, die einem vorgegeben werden. Ansonsten wären die Komponisten arbeitslos. Und warum etwas an den Noten ändern, solang sie Stellung, Status und Euros einbringen …

 

PS: Diese Geschichte ist natürlich ausgedacht. Eventuelle Gleichnisse oder Ähnlichkeiten mit lebenden, toten oder noch kommenden Personen, Musikgruppen, Organisationen und Parteien wären rein zufällig. Die Namen sind ausgedacht. Und überhaupt ist dies doch nur ein Märchen … irgendwie.

PPS: Ich bitte das Kauderwelsch der fremdsprachigen oder möchtegern-fremdsprachlichen Wörtern bzw. der Vermischung entschuldigen. Aber es musste sein und diente jenem oben genanntem Märchen.

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