Da stand auch Deutschland auf der Bühne

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(he) Nun haben wir den Salat, Deutschland nicht Weltmeister, nicht Europameister, aber dafür Blamagemeister.

So kurz könnte man den ESC, den Euro-Song-Contest, beschreiben. Und man hätte recht.

Doch der ARD Beauftragte für den Escape-Cup hatte eindeutig unrecht:

Für einen weiteren Patzer aus deutscher Sicht sorgte ARD-Funktionär Schreiber, der die lediglich 18 Punkte für Cascada indirekt der Euro-Rettungspolitik von Angela Merkel in die Schuhe schob. “Ich will nicht sagen ’18 Punkte für Angela Merkel’. Aber man muss eben auch sehen, da stand nicht nur Cascada, sondern da stand auch Deutschland auf der Bühne”, sagte Schreiber.

So zitiert ihn die Welt Online. Doch diesmal stand weder Frau Merkel noch sonst irgendwelche Horrorszenarien aus good old Germany auf der Bühne, sondern durchkalkulierter, unbedeutsamer Eurodancepop. Dabei fiel vielen auf, dass das Lied für Deutschland irgendwie nach dem Vorjahressiegerlied klang. Nicht mehr, nicht weniger. Und was mit “unser Lied für Malmö” begann, endete schliesslich in “deren Lied für IKEA”. Bereits im Vorfeld war den deutschen ESC-Fans klar, dass mit dieser Dancepopnummer kein Siegerkranz zu holen wären und wünschten sich einen anderen Interpreten.

Dabei, altbekannt, ist dieses Sangesspektakel, ein Wettbewerb für die Komponisten – und keineswegs für die mehr oder minder schick gemachten Interpreten, Tänzer und Notenabspieler.

Aber Cascada passte zum deutschen Auftreten bei dieser Europaausstrahlung:

Bei der Punktevergabe patzte die hochgejubelte Ex-Gewinnerin des Wettbewerbes Lena – was durchaus an der Aufregung liegen könnte. Denn die Englischkenntnisse der Hannoveranerin sollten ausreichen, singt sie doch nur in dieser Fremdsprache.  Hier gefielen mir die Franzosen, die dem fast durchweg englischsprachigen Abend einen Gegenpol bei der Punktevergabe boten: Man sprach französisch. Und irgendwie erinnerte ich mich an “früher … damals”… Sie wissen schon, als man im Chor die Punktevergabe mitverlas, erst Französisch, dann Englisch und dann Deutsch: “Allemannieje dix peunts, Djermany ten peunts, Deeeeeuuutschland 10 Punkte – und Jubel”  Doch diese Zeiten sind vorbei, es gibt 12 Punkte, es werden nur noch die 3 bestplatzierten angesagt.

Wer hier politisch denkt, der könnte recht haben, wenn man die Verteilung der Punkte sich anschaut, bei der ein Jurorenteam das Sagen hat. Genau das erinnert an die Wirkungsweise der Europäischen Union. Ein, nicht vom Volk gewählter Rat hat das Sagen, dem Volk wird vorgegaukelt es könnte mitbestimmen und wird dazu aufgefordert, obwohl die Stimmen nur zu einem kleinen Prozentsatz zählen. Und das mit Fortschritt per excellence:  Eine Eurovisionsapp für Android und iPhone. Wenn das nichts ist. Ferner wurde vor Jahren irgendwie jedes Land der Erde mitaufgenommen, um sich weltoffen zu zeigen. Und dann wundert man sich, warum so manches (Ost-)Land trotzdem so abstimmt, als wäre es national verbunden, statt global aktiv. So ist es bei einer europäischen Veranstaltung, wenn selbst Israel plötzlich zum Zentraleuropäischen Staat mutiert. Und mittendrin steht eine deutsche Frontfrau mit guter Stimme, guter Show bei der das Haus rockt – aber die Welt sie auf die hinteren Plätze schiebt. Aber macht nichts, der Deutsche tanzt und zahlt.

So gesehen, hat der Herr Schreiber aus dem zitierten Weltartikel doch irgendwie recht, auch wenn Merkel und Schäuble an dieser jährlichen Sondersendung nichts kaputt gemacht haben.

2 thoughts on “Da stand auch Deutschland auf der Bühne”

  1. Einige Kritikpunkte in diesem Text sind mir unverständlich. Ist es schlecht, dass nur noch die 3 besten angesagt werden? Und wenn ja, warum? Inzwischen nehmen jedes Mal rund 40 Länder teil und die EBU scheint das Bestreben zu haben, noch weiter zu wachsen und ggf. auch Kasachstan aufzunehmen. 40×10 Punkteverlesungen würden den ohnehin schon langen Abend bald bis in die frühen Morgenstunden erstrecken. Nun könnte man sagen, dass es auf 7 verlesene Punkte mehr ja nun nicht ankäme, aber man darf ja nicht vergessen, dass die Leute nach jeder Punktevergabe auch jubeln, was jedes Mal noch mal ein paar Sekunden kostet.

    Zum Glück singen auch noch andere Länder in Landessprache (vor allem die Balkan-Länder). Leider hat zwar seit 2007 kein muttersprachlicher Titel mehr gewonnen, aber man kann schon einen Trend zurück zur Landessprache erkennen. Glücklicherweise in vielen Fällen erfolgreich.

    Die Jurys halte ich für notwendig, um das “Diaspora-Voting” zu schwächen. Außerdem sind sie eine gewisse Qualitätssicherung, auch wenn sie mitunter schlecht ausgewählt sind. Natürlich kann man kritisieren, dass sie nicht gewählt sind. Das ist andererseits aber ein Schutzmechanismus, um Bestechungen zu verhindern. Im übrigen macht die Jury-Wertung 50% und nicht den Großteil aus.

    Die EBU hat auch nichts mit der EU zu tun. Der EBU kann quasi jeder beitreten. Europäisch sind die nur dem Namen und Sitz (Genf) nach.

    Die Andeutung, Deutschland sei für seine Politik in Europa abgestraft worden, halte ich für falsch. “Wir” machen diese Politik ja nicht erst seit 2 Monaten, sondern schon seit Jahren, was uns die 3 Jahre davor nicht daran gehindert hat, in die Top 10 zu kommen.

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